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Abschied von den Illusionen

Von Andreas Kirschhofer-Bozenhardt

Als ob es noch eines Beweises für die Allgegenwart des Islam in Mitteleuropa bedurft hätte, überfiel kürzlich nach dem Terrorangriff im französischen Nizza ein 17jähriger Afghane mit dem Ruf „Allahu Akbar“ einen Personenzug in Bayern, stach und schlug mit Messer und Axt auf die Passagiere ein und gab damit wohl unbewusst das Signal für eine Serie weiterer Angriffe in Deutschland. Auch auf die Polizei ging er bewaffnet los, ehe er von den Beamten erschossen wurde. Die Ordnungshüter mussten sich einer Untersuchung stellen, ob ihr Waffengebrauch gerechtfertigt war, linke Meinungsführer kritisierten die Sicherheitskräfte sofort.

Inzwischen ist schon bekannt, dass der „Afghane“ vor zwei Jahren als unbegleiteter Flüchtling ins Land kam, dass er von einer Pflegefamilie aufgenommen wurde und dass man ihm eine Bäckerlehre angeboten hat. Das Gastland hatte sich in vorbildlicher Weise um ihn bemüht und genau das getan, was nach gängiger Lehre zum Gelingen einer Integration erforderlich ist. Was bleibt angesichts dieses vorbildlichen Beispiels von der Mainstream-These, wir selbst seien das eigentliche Hindernis für die Integration?

Die Amokläufe dieser Julitage sind freilich nicht das einzige, was den Europäern in die Knochen gefahren ist. Im wahrsten Sinne um dem Schlaf gebracht wurden Berliner und Wiener – ebenso wie Amsterdamer, Linzer, Salzburger, Bregenzer oder Münchner – auch als Zigtausende von Türken lautstark durch die nächtlichen Städte der Gastländer zogen und mit Hupen und fanatischem Geschrei den Zusammenbruch des Militärputsches in ihrer Heimat feierten. Allein in Wien waren es mehr als 4000, die in geisterhafter Eile zusammengeströmt waren, rote Fahnen mit dem Halbmond schwenkten und aus voller Kehle „Sokaklar Bizim“ – „Die Straße gehört uns!“ – grölten. Dazu gesellten sich die Rufe „Erdogan, für dich geben wir unser Leben, dir gehört unser Herz! Befiehl und wir sterben, befiehl und wir töten!“

An diesen Julitagen ist auf bestürzende Weise zur Realität geworden, was Angela Merkel, unterstützt von ihren österreichischen Chorsängern, vollmundig verkündet hat, aber so nicht gemeint haben konnte: „Der Islam gehört zu uns!“

Es ist enthüllend, wie unsere Regierungsparteien das Geschehen kommentierten. Als eine Art von getrübter Laune beschrieb SPÖ-Chef und Bundeskanzler Christian Kern seine Reaktion. “Man muss mit einem gewissen Unbehagen sehen, dass hier religiöse und politische Motive vermischt werden“, erklärte er, „das passt nicht zu unserer politischen Kultur“. Sanfter lässt sich die flagrante Verletzung des Gastrechts nicht ausdrücken. Nur um eine Spur härter fiel die Stellungnahme des Vizekanzlers aus. Reinhold Mitterlehner forderte in Bezug auf Pro-Erdogan-Demonstrationen mehr Loyalität und Respekt gegenüber Österreich als Gastland. „Wir dulden in Österreich keine Parallelgesellschaften“, tönte der ÖVP-Chef. Als ob sich Parallelgesellschaften verbieten ließen. Als ob sie nicht schon längst zur Realität geworden wären.

Das nämlich sind die zentralen Erkenntnisse dieser Julinächte mit all ihren Massenauftritten und Glaubensbekenntnissen der islamischen Subkulturen: Reccep Tayip Erdogan hat sein erklärtes Ziel, türkische Enklaven in Zentraleuropa zu errichten, längst erreicht. Und auch von einer zweiten Illusion sollten sich SPÖ, ÖVP und Grüne samt ORF, Bischöfen und Caritas trennen: Es ist die naive und geradezu sträfliche Annahme, daß es einen Islam light gibt. Diese Religion scheint nach solchen Erfahrungen mit ihr nicht reformierbar.

Es genügt nicht, gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei zu wettern. Der Kampf mit Erdogan muss hier, in unserem eigenen Land, ausgefochten werden. Solange es noch unser eigenes Land ist und es in Umkehr des Merkel-Worts nicht heißen kann: „Wir gehören zum Islam!“

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