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Fake News?

Von Jörg Mayer

Die klassischen Medien – Zeitungen und Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender – sie waren einst die vierte Gewalt im Staate. Sie kontrollierten, berichteten, hinterfragten. Doch dann kam die digitale Revolution: Neue, alternative und soziale Medien brachen die alten Monopole auf und stürzten die Gatekeeper. Der letzte Rückhalt der Mainstream-Medien? Die spendablen Taschen des Staates, für dessen eingesessene Oligarchien sie seitdem Hofberichterstattung betreiben. Nie wurde das so deutlich wie im vergangenen Jahr.

Nein, 2016 war für die Medien kein Jahr wie jedes andere. 2016 zeigte uns die Medien nackt. Das ganze Potemkin’sche Dorf des ach so seriösen und kritischen Mainstream-Journalismus ist in diesem Jahr in sich zusammengekracht. Die jüngsten Versuche, die für immer mehr Menschen zugänglich gewordenen neuen, alternativen und sozialen Informationsquellen nun als Verbreiter von Fake News zu verdammen, entlarven sich als das wilde Um-sich-Schlagen eines schon aus allen Wunden verblutenden Riesen. Fake News – so wurde immer mehr Bürgern bewusst – sind vielmehr jene Nachrichten, die von den Mainstream-Medien selbst, mit erhobenem Zeigefinger und bebender Stimme, verbreitet werden, wenn sie zur volkspädagogischen Märchenstunde ausrücken.

Der Glaubwürdigkeitsverlust der MSM vollzog sich im vergangenen Jahr umso gründlicher, weil er an Einzelereignissen kulminieren konnte, bei denen der Spin der Medien und die nackte Wirklichkeit allzu deutlich und schon für jeden erkennbar nicht mehr übereinstimmten. Zu diesen Ereignissen zählten etwa die von den Medien tagelang verschwiegenen sexuellen Massenübergriffe in der Kölner Silvesternacht, die Aufrichtung einer veritablen Diktatur in der von Medien und Politik ad nauseam hofierten Türkei, die Abstimmung über einen EU-Austritt in Großbritannien, die Wahl Donald J. Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten sowie die konzertierte Kampagne des gesamten politisch-medialen Establishments in Österreich gegen den FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer.

Kampfzone Online-Journalismus

Selbst einstmals seriöse Nachrichtenportale haben 2016 gezeigt, wie weit sie mittlerweile abgeschmiert sind. Einer ihrer größten Fehler: ihre Online-Auftritte in die Hände selbstverliebter linker Meinungsjournalisten zu legen, die billiges Clickbaiting gegen alle kritischen, rechten Meinungen betrieben, und dabei zu verkennen, dass Medien zunehmend an der Qualität ihres Online-Auftritts gemessen werden. Nicht von ungefähr hagelt es mittlerweile in den sozialen Medien, so auf Facebook, aber noch ausgeprägter auf Twitter, geradezu ununterbrochen fundierte bis polemische Kritik an den reißerischen, unseriösen und tlw. auch verfälschten Nachrichteninhalten, die täglich verbreitet werden. Immer öfter werden Falschmeldungen der MSM schon nach wenigen Minuten bloßgestellt, aufmerksame User decken die Agenda der einzelnen Journalisten auf, Enthüllungsplattformen zeigen die Verstrickungen von Medienmachern und Parteipolitik. Die Zeit der medial gelenkten Demokratie, in der Medienkonzerne darüber bestimmten, welche Informationen dem Volk zugespielt werden und welche nicht, nähert sich rasant ihrem Ende – und damit auch die ungeheure Machtposition der Medien selbst.

Michael Bärnthaler hat 2016 einen wunderbaren Text geschrieben, in dem der erste Absatz ironisch lautet: „Es ist leicht, sich überlegen zu fühlen. Wenn man gebildet und gut informiert ist, ist es leicht, die Sorgen und Ängste vieler Journalisten nicht ernst zu nehmen, sie als irrationale Ressentiments abzutun. Trotzdem ist es falsch. Wir müssen die Ängste der Journalisten ernst nehmen.“ Und er hat ganz Recht damit. Denn die MSM wissen selbst, dass ihre sogenannten „Nachrichten“ zunehmend nicht mehr ernstgenommen werden. Schon eine 30-Sekunden-Suche auf Google nach Originalquellen kann heute ja mitunter eine noch so großspurige Behauptung widerlegen. Und selbst die Auslands-Korrespondenten sind längst unnütz geworden, denn wozu sollte jemand einem „Bericht“ auf Spiegel Online noch Glauben schenken, wenn er kraft Englischkenntnissen via Youtube direkt hören kann, was Politiker X nicht angeblich gesagt hätte, sondern was er wirklich gesagt hat – in seinen eigenen Worten, in voller Länge und nicht aus dem Zusammenhang gerissen.

Kein Wunder also, dass man aus der gewohnt obrigkeitlichen Bundesrepublik Deutschland schon hört, wie gefährlich diese ganze Entwicklung sei, ja dass es besonders im Wahlkampf darauf ankommen wird, „falsche Meinungen“ zu unterbinden. Über eine diesbezügliche Kontrollbehörde wird schon eifrig nachgedacht. Es mag bitter stimmen, wie offen in Deutschland 2017 über die Wiedereinführung der Zensur gesprochen wird. Andererseits ist eine freiheitliche Gesellschaftsordnung historisch betrachtet ohnehin je die Ausnahme, nicht die Regel gewesen.

Informationsfreiheit, ein Menschenrecht

Will man alles auch immer so genau wissen? Etwa, dass Anis Amri, der nach seinem Mord an einem polnischen LKW-Fahrer noch zwölf Besucher eines Christkindlmarktes in Berlin totgefahren hat, schon in Tunesien 2010 einen LKW gestohlen hatte, außerdem 2011 wegen Brandstiftung und Körperverletzung angezeigt worden war, die Jahre 2012 bis 2015 in sechs italienischen Gefängnissen verbrachte und dort erneut durch Vandalismus und Gewalttätigkeit auffiel, daraufhin 2016 in Deutschland mit Drogenhandel, Versuch der illegalen Beschaffung von Waffen und Planung von Anschlägen zubrachte und dennoch, obwohl polizeibekannt, seelenruhig weiter herumlaufen durfte? Alles Informationen, die uns doch eher beunruhigen könnten. Die einen hinterfragen lassen könnten, warum unsere Regierungen so viel Energie darauf verwenden, jeden dahergelaufenen Migranten zu alimentieren, und gleichzeitig so wenig Interesse daran zeigen, unsere Heimat zu beschützen.

Dank den neuen, alternativen und sozialen Medien lassen sich diese Informationen jedenfalls heute nicht mehr zurückhalten. Die Information findet einen Weg. Damit werden endlich jene Berufsjournalisten überflüssig, die nur mehr als Pagen der Regierenden auftreten, die Menschen am liebsten bevormunden wollen und gern noch den Ausgang von Wahlen vorherbestimmen würden, die kritische Stimmen in das Eck des Verächtlichen stellen, jede noch so gut belegte Enthüllung von Seiten wie Wikileaks geflissentlich totschweigen und uns gleichzeitig jeden Stuss aus einem grünen Parteibüro als Neuerfindung des Rades anpreisen. Die Konsumenten haben diesen Journalismus lange schon satt. Die Leserzahlen der MSM sinken, ihre Einnahmen brechen ein, Mitarbeiter werden abgebaut, der Kuchen wird kleiner. Wer nun aber existenzielle Angst hat, verliert die Fähigkeit zur Rationalität.

In diesem Zustand des Post-Faktischen befinden sich die MSM, und ihr Gerede von sich selbst als „Qualitätsmedien“ und ihrer ach so wichtigen demokratischen Funktion wirkt immer bemühter. Denn der Raum hinter der großen Kulisse ist gähnend leer, es steckt nichts dahinter. Nie ist das so schnell so vielen Menschen bewusst geworden wie im vergangenen Jahr, und die Konsumenten sind es leid, weiter mit Clickbait-Journalismus und pseudo-moralischen Belehrungen abgespeist zu werden. Genau das wollen sie nicht. Sie wollen stattdessen informiert werden über die Welt, so wie sie ist. Sicher, die Freiheit des Informationsflusses birgt auch problematische Seiten, mit einer solchen Fülle an Nachrichten und ihren mannigfaltigen Spins umzugehen ist schwierig. Doch die Alternative dazu wäre der Totalitarismus, dass eine staatliche Instanz darüber entscheidet, was wahr und was falsch ist – ein Alptraum.

Die Freiheit des Informationsflusses hingegen ist gerade kein Alptraum, nicht für die Bevölkerung. Sie ist eine riesige Chance für uns, sie macht aus Untertanen Bürger, sie verschafft den Massen Gehör und eröffnet den gebildeten Schichten neue Wege, um zu lernen, sich auszutauschen und weiterzubilden. Gut so.

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