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Donald Trump der Schröckliche

Von Jörg Mayer

Wer heute in Echtzeit erleben möchte, wie Fake News entstehen, kommt nicht um Donald J. Trump herum – oder besser gesagt: um seine Gegner. Erst jüngst tingelte die Schock-Meldung durch die Mainstream-Medien, „die Russen“ hätten kompromittierendes Material über eine Sexaffäre Trumps mit russischen Prostituierten und würden ihn damit erpressen. Die ganze Geschichte, von ein paar Witzbolden auf 4chan erfunden, wurde von BuzzFeed aufgegriffen und von CNN in die ganze Welt getragen. Noch eine Woche, nachdem der Betrug in den USA längst allgemein bekannt war, bekam der Autor dieser Zeilen die Behauptung im deutschsprachigen Microsoft-Network-Newsfeed präsentiert. Das macht sprachlos.

Doch eigentlich sollte es nicht verwundern, offenbart ein Blick auf die letzten Monate den Spin der Mainstream-Medien ja allzu deutlich: Egal was Donald Trump sagt (oder nicht sagt), getan hat (oder nicht getan hat), immer macht ihn irgendetwas daran untragbar. Man erinnere sich nur an die Wahlkampf-Debatten: Agierte er zurückhaltend und höflich, hieß es, er sei in die Defensive gedrängt gewesen. Verteidigte er sich hingegen mit klarer Kante gegen die mediale Schmierenkampagne und den vorherrschenden Doppelstandard, hieß es, Trump argumentiere unter der Gürtellinie und wolle die Medien mundtot machen. So oder so, Donald Trump hätte sich am besten den ganzen Tag für alles und jedes entschuldigen sollen.

Dabei kontrollierten sich die Mainstream-Medien sogar selbst: Als etwa Moderator Matt Lauer beim Commander-in-Chief-Forum Hillary Clinton kritische Fragen stellte, wurde seine Gesprächsführung tagelang heftig attackiert. Allen weiteren Moderatoren war damit klargemacht: Kritische Fragen sind ausschließlich Donald Trump zu stellen – und brav haben sie es auch gemacht. CNN entblödete sich nicht einmal, eine Gruppe von mehrheitlich Demokraten eine TV-Debatte bewerten zu lassen und dies als repräsentatives Sample zu verbreiten, das in Europa dann natürlich rauf und runter zitiert wurde. Ein besonders leuchtendes Exemplar für den hohen journalistischen Standard des Hauses war auch Donna Brazile, von der die Fragen der zweiten TV-Debatte vorab an Hillary Clinton übermittelt wurden.

Natürlich wurden die Nachrichten aus den USA in den deutschsprachigen Medien noch einmal gefiltert, damit auch wirklich niemand auf dumme Gedanken käme. Schnitt Donald Trump in den Zuschauerbefragungen besser ab, hieß es in deutschen Medien trotzdem: „Hillary Clinton gewann die Debatte souverän!“, „Noch ein peinlicher Auftritt von Donald Trump!“, „So wurde Trump in nur drei Sätzen vernichtet!“ usw.usf. Als Trump zu allem Überdruss noch die Meinung kundtat, dass sich Clinton wegen Korruption vor Gericht verantworten müsste, verfielen die Mainstream-Medien vollends in hysterische Schnappatmung. Er enttarne sich als Demokratiefeind, der politische Gegner beseitigen will, hieß es prompt – ganz so, als wollte irgendjemand auf der Welt Hillary Clinton dafür einsperren, dass sie Demokratin sei, und nicht dafür, dass sie von Kopf bis Fuß korrupt ist.

ORF gegen Trump

Auch der Österreichische Rundfunk reihte sich anstandslos in die Phalanx gegen Trump ein. So titelte er: „Trump bleiben nur noch Untergriffe!“ und verbat sich damit schon in der Überschrift jede Kritik an Frau Clinton. Ihres Ehemannes mutmaßliche Sex-Opfer waren laut ORF „Frauen, die laut eigenen Aussagen Affären mit Bill Clinton hatten“, sie öffentlich zu Wort kommen zu lassen war für den ORF ein „Ausschlachten von Clintons Privatleben“. Inhaltlich erwähnte der ORF keine einzige Aussage von Trump ganz, nur allerkürzeste, sinnbefreite Soundbites. „Dazu kam wieder eine erkleckliche Anzahl nachweisbarer und auch schon nachgewiesener Lügen. All das mit Absicht.“ – so das Zwischenfazit. Derart kann man „Berichterstattung“ natürlich auch betreiben.

Die mögliche „Veröffentlichung kompromittierenden Materials über Clinton“ erwähnte der ORF nach der Bemerkung, es seien von Trump „noch weitere Griffe in den Schmutzkübel zu erwarten“ – und vor der Ankündigung, dass Fox-News-Moderator Chris Wallace die Leitung der letzten TV-Debatte nicht dahingehend interpretieren wolle, „Aussagen darin auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen“. Der Leser wurde also zu dem Gedanken geführt, dass die von Wikileaks zugänglich gemachten Beweisdokumente als Lügen über Clinton einzuschätzen seien, die von den Trump-freundlichen Medien aber nicht richtiggestellt würden. Noch unverfrorener kann man Tatsachen nicht auf den Kopf stellen.

Einem Moderator sein Bekenntnis zur Unparteilichkeit sogar zum Vorwurf zu machen und als journalistisch-ethisches Defizit anzuprangern, ist aber geradezu bezeichnend für eine Klasse, die sich nicht mehr als Berichterstatter von Fakten, sondern als Politbüro zur Volkserziehung versteht. So erweist sich das von linker Seite vehement eingeforderte Fact Checking schnell als bequemer Freibrief für die Mainstream-Medien, sich um Überparteilichkeit und Ausgewogenheit gar nicht mehr scheren zu müssen.

Gewählt ist gewählt

Doch es nutzte alles nichts, Donald J. Trump wurde endlich doch zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. 99% sollte laut renommierter New York Times die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsieges von Hillary Clinton betragen. Eingetreten ist das verbliebene 1%. Dieselben Medien nun, die vor der Wahl allesamt völlig danebengelegen hatten, erklärten uns jetzt nach der Wahl genau, wer aller warum genau Trump gewählt hatte: lauter alte, weiße Arbeitermänner, weil sie dumme Verlierer, Sexisten und Rassisten sind. Das Establishment verarbeitete seine Niederlage mittels voter shaming, obwohl die Wahlmotive offenkundig waren. Denn Trump reüssierte ja tatsächlich in der arbeitenden Mittelschicht, weil er viele Stimmen von jenen gewann, die letztes Mal Barack Obama gewählt hatten. Gleichzeitig gewann er aber auch die Mehrheit der weißen Frauen für sich und lag wesentlich besser bei Latinos und Schwarzen als Mitt Romney noch vor 4 Jahren. All das passte freilich nicht ins Narrativ der Medien, die nur ihre eigenen Wunschvorstellungen analysierten.

Gleich nach Trumps Wahlsieg nahmen die Medien schließlich das FBI unter Beschuss, weil es sich erdreistet hatte, gegen Kandidatin Clinton zu ermitteln. Daraufhin folgte ein Lamento über das Wahlsystem, begleitet von Versuchen, die Wahlleute persönlich unter Druck zu setzen. Das größte mediale Schmierentheater war aber zuletzt die Neuauszählung in drei von Trump gewonnen Staaten. Dieselben Medien, die Trump vor der Wahl dafür abwatschten, dass er Wahlfälschung überhaupt für möglich hielt, ergingen sich nach der Wahl selbst in den abstrusesten Wahlfälschungs-Theorien.

Die Neuauszählungen brachten natürlich überhaupt nichts Substanzielles zutage, außer einigen Hundert Stimmen, die gar noch von Clinton zu Trump wanderten. Nur der Grünen-Kandidaten Jill Stein bescherte die Posse landesweit mediale Aufmerksamkeit: In wenigen Tagen lukrierte sie mehr Spendengelder als in ihrem ganzen Wahlkampf und gelangte damit an die wertvollen Kontaktdaten von Clinton-Unterstützern. Das waren die wahren Hintergründe ihrer Wahlanfechtung, eifrig beklatscht vom medialen Establishment.

Im Westen nichts Neues

Als sich auch der Wahlfälschungs-Spin als Humbug herausstellte, kamen die Mainstream-Medien auf die gloriose Idee, nun Vladimir Putin und irgendwelche Hacker dafür verantwortlich zu machen, die US-Wahl „beeinflusst“ zu haben. Dass Clinton selbst mit ihrem privaten e-mail-Server den Hackern sensibles Material geradezu auf dem Teller serviert hatte, spielte genauso wenig eine Rolle wie ihre Wahlkampffinanciers aus aller Herren Länder – bis nach Saudi-Arabien. Nun mögen Trumps Geschäftspraktiken auch keiner großen Ehren wert und seine Charakterdefizite offensichtlich sein. Gleichwohl war es faszinierend anzusehen, wie frei von allen Hemmungen die Mainstream-Medien jede noch so dümmliche Meldung heraushauten, um Trump noch irgendwie anzupatzen.

So gab es nicht wenig Häme dafür, dass der berühmte Neurochirurg Ben Carson für einen Ministerposten abgesagt habe. Kurz darauf stellte Trump ihn als neuen Minister vor. Von einer Rebellion hochrangiger Republikaner gegen Trump wurde schwadroniert. Am Ende waren es die altbekannten John McCain und Lindsey Graham. Selbst als Trump bloß mit der demokratischen Präsidentin von Taiwan telefonierte, flippten das mediale Establishment aus, weil das Kommunistische China ja etwas dagegen haben könnte. Mit Castro oder dem Ayatollah telefonieren wäre sicherlich ok gewesen.

Und wie schon beim Brexit, würde natürlich auch die Börse unter Trump in tiefste Turbulenzen stürzen. Tatsächlich ging es der Wall Street blendend. Nun war das aber auch wieder nicht recht, denn plötzlich bekrittelte man, Trump hole einen Goldman-Sachs-Manager ins Weiße Haus. Bei Clinton hätte man darüber sicherlich auch Schnappatmung bekommen, nicht? Die Wahrheit ist eben eine Tochter der Zeit – vor allem für jene Journalisten, die Trump jahrzehntelang mit ihrem Wohlwollen überhäuften, ihn abfeierten und sich alle zehn Finger abschleckten, wenn sie eine Party-Einladung bekamen. Falsche Freunde, die ihn unvermittelt als Sexisten, Rassisten, Xenophoben, Islamophoben usw. usf. erkannten, als er gegen Hillary Clinton antrat.

„The Donald“ wird das alles aushalten. Er hatte ein schillerndes Leben wie kaum jemand auf diesem Planeten, gekrönt mit dem gewichtigsten öffentlichen Amt der Welt. Er hat einen der unwahrscheinlichsten Wahlkämpfe aller Zeiten für sich entschieden, obwohl er Politik wie ein Hobby betrieb. Ja, Donald Trump der Schröckliche hat dabei tatsächlich manchen Schrecken verbreitet. Aber er hat auch große Hoffnungen geweckt. Und er weiß, dass er jetzt liefern muss, denn Riesenprobleme waren darauf, gelöst zu werden. Die Republikanische Partei hat die einmalige Chance, das Land nun zum Besseren zu gestalten – auch gegen den Widerstand der Mainstream-Medien.

Donald Trump ist daran zu messen, ob dies gelingt. Wünschen wir ihm Erfolg!

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