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Die Top 10 der Fake News über Donald Trump

Von Jörg Mayer

Seit bald einem Jahr zergrübeln sich Journalisten ihre wertvollen Köpfe, mit welcher bahnbrechenden Neuigkeit sie ihren nächsten Hass-Artikel gegen Donald Trump rechtfertigen können. Da stellt ein Psychologe die Ferndiagnose, dass Trump geisteskrank sei. Da findet eine Graphologin heraus, dass Trump eine ähnliche Handschrift wie Hitler habe. Man bekommt zu lesen, Trump werde von seinem Chefstrategen Stephen Bannon kontrolliert. Ein andermal, Trump habe Bannon entmachtet. Und dann, Bannon sei immer schon isoliert gewesen. Hier heißt es, Trump sei brandgefährlich und machtbesessen. An anderer Stelle, er sei lächerlich und inkompetent. Einen Sinn ergibt das alles nicht. Aber es hat einen Zweck: die systematische Verhetzung der Medienkonsumenten gegen einen nicht aus dem Establishment kommenden Politiker. Und dafür ist jedes Mittel recht, sogar Angriffe auf Trumps Ehefrau und seine Kinder. Hier die Top 10 der größten Fake News, die bislang über Donald Trump verbreitet wurden:

Platz 10

Die Medien behaupteten: Donald Trump habe an seinem ersten Tag im Weißen Haus die Büste des berühmten schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King Jr. aus dem Oval Office entfernen lassen.

Die Wahrheit ist: Die Büste stand stets unverrückt an ihrem Platz im Präsidentenbüro. Der Journalist, der die Story in Umlauf brachte, meinte später, dass auf den ersten Fotos aus dem neudekorierten Raum ein Mitarbeiter vor der Büste gestanden hatte und man daher nicht erkennen konnte, dass MLK ja noch da war.

Platz 9

Die Medien behaupteten: Donald Trumps sei der unbeliebteste neugewählte Präsident aller Zeiten.

Die Wahrheit ist: Bei Umfrage-Instituten wie Gallup steht Trump sehr niedrig in der Wählergunst. Es handelt sich dabei freilich um dieselben Umfrage-Institute, die schon bei ihren Wahlprognosen völlig danebenlagen. Die New York Times errechnete aus diesen Umfragen etwa eine Wahrscheinlichkeit von 99%, dass Hillary Clinton die Wahl gewinnen würde. Es ist seit Jahren bekannt, dass die herkömmlichen Umfrage-Techniken nicht mehr repräsentativ sind.

Platz 8

Die Medien behaupteten: Donald Trump habe ein verfassungswidriges Dekret erlassen, um gezielt Muslimen die Einreise in die USA zu verwehren.

Die Wahrheit ist: Das betreffende Dekret ist lediglich ein Moratorium. Es betrifft Personen aus den Staaten Iran, Syrien, Jemen, Sudan, Somalia und Libyen (sowie in der Erstfassung: Irak), die noch von der Regierung Barack Obamas ausgewählt wurden. Die genannten Länder sind entweder mit den USA verfeindet, gelten als Terror-Hotspots oder stellen Failed States dar. 90% aller Muslime weltweit sind vom Dekret gar nicht betroffen. Es gibt außerdem noch kein Höchstgerichtsurteil zur Verfassungsmäßigkeit, lediglich ein Urteil eines besonders linkslastigen Bundesberufungsgerichtes.

Platz 7

Die Medien behaupteten: Donald Trump sei ein Gegner der Pressefreiheit und versuche, kritische Medien zu unterdrücken.

Die Wahrheit ist: Pressefreiheit ist das Recht jedes Bürgers, seine Gedanken mittels des gedruckten Wortes oder dessen moderner elektronischer Formen anderen Menschen kundzutun. Sie ist nicht ein Privileg milliardenschwerer Medienkonzerne wie CNN, NBC, der New York Times oder der Washington Post, von der Regierung bevorzugt eingeladen zu werden oder einen besonderen Informationszugang zu genießen.

Platz 6

Die Medien behaupteten: Donald Trump sei rassistisch, antisemitisch und homophob.

Die Wahrheit ist: Trumps Heimatstadt New York ist einer der multikulturellsten Plätze der Welt, jahrzehntelang hat dort niemand Trump als Rassisten beschimpft. The Donald war gern gesehener Gast auf Veranstaltungen und ist befreundet mit Menschen ohne Rücksicht auf Rasse oder Religion. Seine Tochter Ivanka und sein Schwiegersohn Jared Kushner sind jüdischen Glaubens. Mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat Trump eine weitaus bessere Gesprächsbasis als Barack Obama. Auch von Homophobie kann kaum die Rede sein, war Trump doch der erste Präsidentschaftskandidat, der auf einem Republikaner-Parteitag positiv über die LGBTQ-Community sprach. Die Anschuldigungen dienen ausschließlich zur Diffamierung.

Platz 5

Die Medien behaupteten: Donald Trump wolle 30 Millionen Amerikanern die Krankenversicherung streichen.

Die Wahrheit ist: Der landläufig Obamacare genannte Affordable Care Act war von Anfang an so konzipiert, dass spätere Reformen unabwendbar sein würden. Barack Obama selbst nannte den ACA einen ersten Schritt in Richtung eines Single-Payer-Systems, also einer einheitlichen Pflicht-Krankenversicherung für alle Amerikaner. Unter dem ACA müssen die meisten Amerikaner derzeit eine Versicherung am freien Markt erwerben, wobei künstliche Mono- und Oligopole innerhalb der Gliedstaatsgrenzen bestehen. Da das System für Gutverdiener, Junge und Gesunde unattraktiv ist, befindet es sich in einer Todesspirale, die zur Ausdünnung des Angebots und steigenden Prämien führt. Das Gesundheitssystem muss also reformiert werden, da es nie nachhaltig finanziert wurde. Die oppositionellen Demokraten und die linken Medien wissen das genauso, es ist ihnen aber politisch nützlich, der Bevölkerung das Gegenteil vorzuspielen.

Platz 4

Die Medien behaupteten: Donald Trump breche durch Kriegstreiberei seine Wahlversprechen und verrate seine Wähler.

Die Wahrheit ist: Die USA haben unter Trump einen einmaligen Raketenangriff in Syrien durchgeführt. Russland ist in dieser Region seit Jahren militärisch präsent und wurde vorab über die US-Aktion informiert. Eine weitere Kampfhandlung betraf Afghanistan. Dabei wurden über 90 IS-Terroristen getötet, laut Angaben von Behörden vor Ort gab es keine zivilen Opfer. Kampfeinsätze mit Bodentruppen werden nicht erwogen, Nation Building steht nicht auf der Agenda. Das mediale Narrativ dient hauptsächlich dazu, Trumps Basis zu verunsichern. Die Kritik von Rechtsaußen-Gruppen in Europa wiederum speist sich aus generellem Anti-Amerikanismus. Dass die USA auch unter Trump keine Politik der Weißen Fahnen betreiben würden, sollte aber klar sein.

Platz 3

Die Medien behaupteten: Donald Trumps Anschuldigung, Barack Obama habe ihn abhören lassen, seien reine Lügen.

Die Wahrheit ist: Nichts Genaues weiß man nicht. Bekannt ist, dass die Regierung Obama mehrmals versuchte, gegen Trump ermitteln zu lassen. Bekannt ist auch, dass CIA, FBI und NSA über die Mittel verfügen, unbemerkt Abhöraktionen durchzuführen. Und bekannt ist, dass es solche Aktionen in der Vergangenheit gegeben hat, etwa gegen Angela Merkel oder Francois Hollande. Auch amerikanische Staatsbürger waren schon betroffen, etwa General David Petraeus, dessen Karriere auf diese Weise zerstört wurde, oder Trumps ehemaliger Sicherheitsberater, General Michael Flynn. Fraglich ist, ob die Regierung Obama dafür verantwortlich ist. Wahrscheinlicher scheint, dass die Behörden ihre Aktivitäten gegen Ausländer, d.h. nicht direkt gegen Trump richteten, dabei aber auch Daten zutage gefördert wurden, die Trump betreffen. Damit amerikanische Staatsbürger auf diese Weise nicht „nebenbei“ ausspioniert werden, müssen ihre Identitäten verdeckt bleiben. In dieser Frage gibt es zurzeit Untersuchungen gegen Obamas ehemalige Sicherheitsberaterin Susan Rice. Ob die Anschuldigungen aber wahr oder unwahr sind, kann zurzeit niemand wissen – auch nicht die Medien. Trump hat mit seinen Aussagen jedenfalls eine Diskussion über Privatsphäre und Überwachungsstaat angestoßen, die dem Washingtoner Establishment sehr ungelegen kommt.

Platz 2

Die Medien behaupteten: Donald Trump verdanke seinen Wahlsieg russischer Einflussnahme auf die US-Wahlen. Er verfolge eine russlandfreundliche Politik u.a. wegen privater Geschäftsinteressen. Außerdem habe er FBI-Direktor James Comey gefeuert, um Ermittlungen in dieser Sache abzudrehen. Dies sei ein Watergate-ähnlicher Skandal.

Die Wahrheit ist: Die ominöse Russland-Connection wird seit Monaten von den Medien behauptet, ohne dass je irgendwelche Beweise oder wenigstens belastbare Indizien vorgelegt worden wären. Selbst Untersuchungen seitens unparteiischer US-Behörden haben bislang nicht die geringsten Ergebnisse gebracht. Eine Manipulation von Wahlmaschinen durch Hacker-Angriffe ist ausgeschlossen. Die ganze Idee, dass eine weltbeherrschende Supermacht wie die USA bei ihren Wahlen den Wünschen des Kreml ausgeliefert wäre, ist schlicht lachhaft. Hillary Clinton hat nicht „wegen Russland“ die Wahl verloren, sondern wegen Hillary Clinton. James Comeys Ablöse als FBI-Chef wiederum wurde seit Monaten von allen hochrangigen Demokraten gefordert, auch von Clinton selbst, die ihn sofort aus dem Amt entfernt hätte. Auf etwaige FBI-Ermittlungen hat die Ablöse des Republikaners Comey so oder so keinen Einfluss. Sein kommissarischer Nachfolger Andrew McCabe ist außerdem ein Demokrat. Die Aufregung der Demokraten und der Mainstream-Medien ist also völlig absurd und unglaubwürdig. Hintergrund ist in Wahrheit die Angst, dass Trump noch mehr Leute aus dem Washingtoner Establishment feuern und die Macht der Seilschaften stören könnte.

Platz 1

Die Medien behaupteten: Donald Trump habe in einem Hotel in Russland eine Gruppe von Prostituierten auf ein Bett urinieren lassen, in dem Barack und Michelle Obama einmal geschlafen hätten.

Die Wahrheit ist: Diese Meldung des linkslastigen Nachrichtenportals Buzzfeed, die von CNN weiterverbreitet wurde, ist nicht nur die vermutlich schamloseste Anti-Trump-Story bislang, sie ist auch buchstäblich von A bis Z erlogen, denn sie wurde von Spaßmachern auf der Internetseite 4chan erfunden. Ursprünglich noch aus der Zeit des Wahlkampf-Endspurts stammend, hat sie den andauernden Konflikt zwischen Trump und CNN – übrigens jener Fernsehsender, der die Fragen des TV-Duells vorab an Hillary Clintons Wahlkampf-Team übermittelte –  nachhaltig geprägt. Dass dergleichen Meldungen von selbsternannten seriösen Medien aufgenommen werden, zeigt anschaulich, wie es mit der Recherche-Arbeit in den Redaktionsstuben heute aussieht.

Fazit

Diese Liste ist keineswegs vollständig, sie ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Fülle an Falschmeldungen, die von den Medien verbreitet werden. Mit einer sachlich-kritischen Auseinandersetzung hat dies alles nichts mehr zu tun. Attacken auf Trump bringen den Medien Klicks und Reichweite, und daher ist keine Übertreibung mehr zu schrill, kein Vergleich mehr zu abwegig, keine Kritik mehr zu lachhaft. Wie in George Orwells 1984 bekommen die Medienkonsumenten ihren alltäglichen Zwei-Minuten-Hass – ein gemeinschaftsstiftendes Ritual, bei dem jeder unter die immer neuen Anti-Trump-Artikel seine Verachtung ausspeien und den Präsidenten der USA einen Kasperl, Idioten, Wahnsinnigen, Rassisten und Frauenhasser nennen kann. Abwägende Nachdenklichkeit, lehrreiche Einblicke und sachliche Analysen gibt es nicht mehr, es regieren Ressentiment, Ignoranz und Selbstaffirmation. Die Leser sollen darauf konditioniert werden, mit Trump negative Empfindungen zu verbinden: Selbstverständlichkeiten werden daher zu Skandalen stilisiert, angesichts derer man sich fassungslos gibt, und plumpe Verschwörungstheorien kursieren als Hintergrundinformationen. Der Wahnsinn geht soweit, dass die Medien Trump dafür angreifen, wenn er nützliche Informationen zur Bekämpfung der Terrormiliz IS an Russland weitergibt.

Spätestens an diesem Punkt sollte auch wohlerzogenen Trump-Hassern doch einmal ein Licht aufgehen. Aber das ist ein frommer Wunsch, denn die Medienhetze wird kein Ende nehmen, solange Trump nicht zu Fall gebracht ist.

9 Gedanken zu “Die Top 10 der Fake News über Donald Trump

  1. Bin ja durchaus erstaunt, unter dieser Überschrift eine Sammlung von im Wesentlichen richtigen Aussagen zu finden.

    Als Vertreter „der Medien“ muss ich allerdings auch sagen: Der Teufel liegt im Detail und niemand, bzw. die allermeisten seriösen Medien behaupten auch nichts von dem, was hier kritisiert wird. Im Einzelfall wird das möglicherweise suggeriert, aber mehrheitlich werden die Vorwürfe als das dargestellt, was sie sind: Vorwürfe und Vermutungen. Sie haben ja durchaus Recht: Bei der Russland-Connection ist sehr vieles unklar. Außer eben, dass es Mitarbeiter gab, die regen Kontakt zu Moskauer Vertretern hatten. Warum und was da genau besprochen wurde, gilt es zu klären.

    Anderes Beispiel, Obamacare. So richtig wird mir jetzt nicht deutlich, wie ihre Argumentation die These der 30 Millionen Menschen ohne Krankenkassen widerlegt. Offen ist tatsächlich, ob die Reform 30 Millionen Versicherte rauswirft oder ob es der worst-case ist. Denn zum einen ist noch überhaupt nicht klar, welche Änderungen der Senat noch durchsetzten wird, wie der Kongress-Bericht über die Reform-Folgen ausfällt (der erst in ein par Wochen veröffentlicht wird) und was am Ende tatsächlich passiert. Allerdings ist die Zahl zumindest als Annahme durchaus realistisch, genau wegen den Gründen, die sie aufgeführt haben.

    Und die Umfragen, naja, die waren in Wirklichkeit gar nicht so daneben, wie immer dargestellt. Die allermeisten lagen im Wesentlichen richtig (2- 5-prozentiger Vorsprung von Clinton im Popular Vote) allerdings haben wir seriösen Medien sie auch immer verzerrt dargestellt. Und die Kollegen der New York Times haben sich mit ihrer Gewinnwahrscheinlichkeit von 97 Prozent für Clinton natürlich sehr weit aus dem Fenster gelehnt, die meisten anderen lagen bei 70 Prozent. Und auch nur unter der Annahme dass die „Blue-Wall“ (also Pennsylvania und der Rustbelt generell) nicht fällt. Aber speziell in Michigan wurden am Ende kaum noch Umfragen gemacht, weil der Staat als Demokraten-sicher galt.

    Lange Rede kurzer Sinn: Wenn Sie „den Medien“ unterstellen, sie würden Fake News verbreiten, dann kann ich nur einwenden: unsere gelegentliche Angewohnheit zuzuspitzen, Details wegzulassen oder vom eigentlichen Thema abzulenken, beherrschen sie auch ganz gut. Von daher: auch nicht besser.

    Gruß aus einer großen Medienstadt.

    1. Sehr geehrter Herr Hörmann,

      nehmen wir einmal an, Sie kommen in den nächsten Tagen folgendermaßen in den Medien vor: „Hörmann: Würde genausowenig im Attersee-Forum kommentieren wie kleine Kinder anfassen.“ „Enthüllung: Hörmann hat im Attersee-Forum kommentiert!“ „Bizarrer Verdacht geäußert: Könnte Hörmann Kinder angefasst haben?“ „Anonyme Quellen behaupten: Hörmann ist alles zuzutrauen.“ „Hörmann und der Kindesmissbrauch – eine brisante Affäre“ „Kindesmissbrauchs-Vorwürfe gegen Hörmann weiten sich aus.“ „Hörmann dementiert Kindesmissbrauch.“ „Hörmanns Ex-Frau packt aus: Er war immer sehr kinderlieb“ „Schock-Umfrage: Schon über 50% der Leser trauen Hörmann Kindesmissbrauch zu.“ „Hörmann und der Kindesmissbrauch: Worauf warten die Ermittler?“ „Der Hörmann-Skandal: Chronik der Ereignisse.“

      Wir setzen voraus, dass in jedem Artikel erwähnt ist, dass es sich selbstverständlich nur um völlig unbewiesene Mutmaßungen handelt – wollen wir so etwas dennoch Journalismus nennen? Die Berichterstattung zur behaupteten „Russland-Connection“ bewegt sich auf genau diesem Niveau. Die Faktenlage ist: Es gibt keine Beweise, Anhaltspunkte oder Zeugenaussagen in der Sache. Es gab auch keinerlei Einfluss auf die Ermittlungen des FBI, sagt das FBI. „Russland-Connection“ ist nach wie vor eine reine Fake-Story.

      Das Gleiche gilt von Behauptungen, Donald Trump wolle Menschen die Krankenversicherung streichen oder Armen die Sozialleistungen. Das kann der Neben-Effekt nötiger Reformen sein, aber es ist nicht sein persönliches Gaudium. Ziel ist, dass diese Personen aus der sozialen Abhängigkeit zurück in eine prosperierende wirtschaftliche Umgebung und durch Arbeitseinkommen zu einer Versicherung kommen. Im Übrigen würde Trump sogar bezahlten Mutterschutz einführen, wenn er dafür im Kongress eine Mehrheit fände. Da die Demokraten aber ohnehin alles bekämpfen, was er machen will, ist das unrealisierbar. Die von Ihnen als „seriöse Medien“ gelobten großen Medienfirmen zeigen jedenfalls keine Neigung, es irgendeinem moderaten Demokraten ermöglichen zu wollen, zum Wohle des Landes mit dem Präsidenten zusammenzuarbeiten…

      Beste Grüße aus der Provinz!
      Jörg Mayer

  2. Sehr geehrter Herr Mayer,

    Beweise in der „Russland-Connection“ gibt es in der Tat keine. Aber Anhaltspunkte ja wohl doch eine ganze Reihe. Wie Sie vermutlich gelesen haben, hat Justizminister Jeff Sessions seine Kontakte zum russischen Botschafter Kislyak sogar zugegeben. (Und daneben eingeräumt, in der Sache unter Eid gelogen zu haben.) Michael Flynn, der Kurzzeit-Nationale Sicherheitsberater, macht von seinem Recht Gebrauch sich in dieser Angelegenheit nicht selbst belasten zu müssen und schweigt daher. Was zumindest nicht drauf hinweist, dass er mit den Russen nur über Wodka gefachsimpelt hat. Also: Anhaltspunkte gibt es reichlich. Wobei, da haben Sie Recht, damit noch längst nicht geklärt ist, worüber bei diesen ganzen Treffen tatsächlich gesprochen wurde.

    Ich stimme ihnen auch zu, dass es Donald Trump bestimmt auch darum geht, die Menschen aus ihrer sozialen Abhängigkeit zu führen. Aber wenn man sich seine Wirtschaftspläne einmal anschaut, dann zeigt sich erneut, dass erfolgreiche Unternehmer nicht zwingend gute Ökonomen sein müssen. Die Kollegen von Politico haben das hier sehr schön auseinander gedröselt.

    http://www.politico.com/magazine/story/2017/05/23/trump-budget-scam-215183v

    Und vermutlich haben sie auch Recht, wenn Sie sagen, dass die Demokraten auf Blockade-Oppostion gehen. Nur leider macht es ihnen Herr Trump ja auch sehr leicht. Wenn er die Handelsüberschüsse der Deutschen beklagt und dann ausgerechnet die deutsche Automobil-Industrie als Beispiel anführt, zeigt das eben auch seine völlige Ahnungslosigkeit. Denn der Anteil an Autos in den USA von deutschen Herstellern liegt bei rund 8 Prozent (der Großteil davon wird übrigens in den USA produziert), während der Anteil an Autos von US-Herstellern in Deutschland bei rund 18 Prozent liegt. Und wer seine Verbündeten brüskiert und von irgendwelchen „Nato-Schulden“ zum Ungunsten des US-Steuerzahlers faselt, der ist schlicht unfähig ein Land wie die USA zu regieren.

    Besten Gruß!
    Hörmann

    1. Sehr geehrter Herr Hörmann,

      dass Jeff Sessions unter Eid gelogen habe, ist Fake News par excellence. Der Kontext der Frage war: Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und den Russen, das kann man jederzeit auf Youtube nachschauen. Bei den beiden Treffen mit dem russischen Botschafter, die Sessions von den Medien allen Ernstes zur Last gelegt wurden, handelte es sich beim 1. Treffen um einen Termin in seiner Funktion als Mitglied des Senate Armed Services Committee. Sessions führte zu dieser Zeit im Übrigen auch Gespräche mit dem ukrainischen Botschafter, alles völlig normal, um nicht zu sagen: völlig normal, oder kurz: völlig normal.

      Beim zweitenTreffen handelte es sich um eine Rede von Sessions bei einer Abendveranstaltung der Heritage Foundation, bei der rund 100 Botschafter (!) anwesend waren. Der russische Botschafter soll in einer Gruppe von anderen Leuten Sessions danach zu seiner guten Rede beglückwünscht haben. Was für ein Skandal aber auch! Im Übrigen: Die Außenpolitik mitzugestalten ist ja wohl eine wesentliche Aufgabe des US-Senats, Sessions war US-Senator und Dutzende andere Senatoren haben sich ebenfalls mit dem russischen Botschafter getroffen – etwa die demokratische Senatorin Claire McCaskill, die wegen derselben Sache (!) von Sessions den Rücktritt zu verlangen die Dreistigkeit aufbot. Da fallen einem allen Serifen aus den Texten, die man darüber schreiben könnte…

      Die übrigen Punkte Ihrerseits sind Interpretationen, die ich nicht beeinspruchen würde, das kann man so oder so sehen. Zum letzten Punkt sei aber angemerkt, dass 2013 der US-Wehretat 640 Mrd. US-Dollar betrug, der BRD-Wehretat 48,8 Mrd. US-Dollar, das sind 3,8% des BIP im Vergleich zu 1,4,% des BIP. Das NATO-Ziel liegt bei 2% des BIP. Die Amerikaner haben mE völlig Recht, die Friedensdividende Europas zu kritisieren.

      Beste Grüße,
      Jörg Mayer

  3. Lieber Herr Mayer,

    ich fürchte, sie urteilen da etwas vorschnell. Niemand wirft Sessions die Treffen mit Vertretern anderer Länder vor. Der Frage lautet, worüber wurde dabei gesprochen und warum hat er sie nicht im Zuge seiner Anhörung angegeben? Wenn sie Routine waren, wonach es ja derzeit aussieht, hätte er noch weniger Gründe gehabt, sie erst im Nachhinein einzuräumen. Hat er aber. Warum? Entweder er hat sich nichts dabei gedacht. Oder er fühlte sich dazu nicht verpflichtet, wie es im Justizministerium mit Bezug auf einen FBI-Ratschlag heißt. Oder er sie hat absichtlich verschwiegen. Aber selbst das ist auch nur eine Frage, die es zu ermitteln gilt. Wichtig ist, worüber genau er bei seinen Treffen gesprochen hat. Und da sagt er auf Nachfrage, nicht über Trumps Wahlkampf-Themen. Das muss man ihm erst einmal glauben, auch wenn sein Verhalten darauf hindeutet, dass er etwas zu verschweigen hat. Und sagen wir einmal so: Angesichts der im Raum schwebenden „Russland-Connection“ ist das Verhalten zumindest ungeschickt, mithin ein Anhaltspunkt.

    Aber noch mal: Genau das wissen wir nicht. Und genau deshalb wird es ja vom FBI und zwei Ausschüssen untersucht. Und, wo wir ja bei den „Fake-News“ sind: Genau das schreiben wir Medien im Allgemeinen auch. Wobei durch die Kürze und Wiederholung sicher manchmal der Eindruck erweckt wird, dass da ein Wahlkampfteam mit Moskau kungelt. Nur ganz ehrlich: Der Vorwurf, dass ein mit dem Westen de facto verfeindetes Land wie Russland sich in „unsere“ Wahlkämpfe einmischen könnte, wiegt schon sehr schwer.

    Aber sehen Sie: Trump hat natürlich das Recht zu kritisieren, dass ein Großteil der Nato-Staaten die Zwei-Prozent-Empfehlung nicht einhält. Aber er spricht (nicht zum ersten Mal) von „Schulden“, die man mal eben per Überweisung ausgleichen könne. Das mag Rhetorik sein, erweckt aber eben auch den Eindruck, dass der US-Präsident nicht weiß, wie die Nato funktioniert. Das wiederum zu kritisieren, einzuordnen oder darauf aufmerksam zu machen, ist auch Aufgabe der Presse. Ds Urteil kann ja auch ausfallen: Trump hat Recht, Nato-Länder macht mal. Passiert ja auch.

    Gruß,
    Hörmann

    1. Lieber Herr Hörmann,

      Sessions meinte sinngemäß: von solchen Absprachen wisse er nichts, und übrigens sei er selber auch schon bei ein paar Gelegenheiten für Trumps Wahlkampfteam im Einsatz gewesen, und habe dabei auch keine solchen Absprachen getätigt. Leugnete er damit jede Kommunikation? Selbst wenn, wäre es ein Meineid nur bei Vorsatz. Aber nein, er tat das so oder so nicht, denn der Kontext der Frage war klar: Absprachen mit den Russen, nicht bloße Kommunikation. Denn auch wenn Sen. Franken in seiner Frage „Kommunikation“ sagte, geht ja aus dem Kontext hervor, dass es um „Absprachen“ ging. Darum lächelt Sessions auch so arglos. Woher soll er denn ahnen, wie man seine Aussage hindrehen wird? Ich finde die Kritik an ihm daher auch extrem unfair. Nicht seine Antwort war unpräzise, die Frage war so formuliert, dass sie im Kontext genau auf die Antwort abzielte, die Sessions auch gegeben hat, ohne Kontext aber ganz anders klingt. Ein klassisches Foul von Sen. Franken.

      Trotzdem gebe ich Ihnen tlw. Recht, wenn vielleicht mit einem anderen Twist: Die Russen versuchen sicher, die USA zu destabilisieren. Nur haben sie dabei nicht in Trump, sondern in Opposition und Medien ihre besten Verbündeten, die ALLES unternehmen, um jeden Erfolg ihrer eigenen Regierung zu verhindern und ihren eigenen Präsidenten bis zur Handlungsunfähigkeit fertigzumachen. Die Russen brauchen doch nur zuschauen, wie NYT, WP, CNN, NBC und Democrats aus allen Rohren auf die US-Regierung ballern, durch Leaks jedes Regierungshandeln untergraben und dem Präsidenten bei jedem politischen Vorhaben in den Rücken fallen. Am liebsten würden sie Trump gar des Amtes entheben! Wie soll Vladimir Putin aus dem Grinsen noch herauskommen, wenn er sieht, wie sich die USA selbst demontieren. Und nein, das ist nicht die Schuld der US-Regierung, die das Land gerne nach vorne bringen würde.

      Übrigens: Woher wollen Sie wissen, dass die Russen nicht schon längst z.B. bei den Leaks mitmischen? Falschinformationen an die Medien spielen lassen, um noch mehr Unruhe, Chaos und Verdächtigungen zu stiften? Ich sehe es jedenfalls sehr positiv, dass Sonderermittler Mueller da ermitteln wird. Mal sehen, ob es in den Medien zu lesen sein wird, sollten am Ende andere politische Kreise belastet dastehen. Von der jüngst publik gewordenen FBI-Praxis unter Medienliebling James Comey, illegal US-Bürger über Jahre hinweg auszuspionieren und ihre Daten an Private weiterzugeben, ist ja auch nicht viel zu lesen gewesen. Dafür wird gerade Jared Kushner skandalisiert – wegen nichts und wieder nichts. Skandale hier zudecken, Skandale dort erfinden. Keine Agenda?

      Beste Grüße,
      Jörg Mayer

  4. Lustig, dass Sie das erwähnen. Dieser Gedanke kommt mir in letzter Zeit auch immer häufiger. Zumal seit einigen Wochen auch immer häufiger zu lesen ist: „wie aus russischen Kreisen zu hören ist“ etc. Offenbar gelten für einige US-Kollegen gewisse russische Kreise schon als erwähnenswert. Auch wenn es nach obskuren Verschwörungstheorien klingt, aber ich glaube, so ganz abwegig ist es vielleicht auch wieder nicht – klassische Zersetzungsstrategie.

    Allein unsere Diskussion ist dafür ja ein Beispiel. Da diskutieren zwei halbwegs aufgeklärte Menschen ernsthaft darüber (und wenn ich das sagen darf, trotz Meinungsverschiedenheiten auf einem sehr angenehmen Niveau) ob und wem man in dieser Sache glauben darf und was. Und stehen vor dem Dilemma, dass es ausgerechnet die US-Geheimdienste wie FBI und CIA sind, denen wir glauben schenken wollen und müssen oder eben auch nicht. Absurde Wendung, wenn Sie mich fragen, und auch da gebe ich Ihnen Recht: Putin lacht sich ins Fäustchen.

    Vielleicht überrascht es Sie, aber ich kenne Jared und Ivanka persönlich (nicht sonderlich gut natürlich) und meine persönliche Theorie ist, dass die ganze Familie Trump da in eine Sache reingerutscht ist, die sie schlicht überfordert. Nach meinem Eindruck agiert da gerade dieser Haufen konservativ-liberaler Gutmenschen reichlich naiv und bar jeder Kenntnis dessen, was man in ihrer Funktion machen darf, kann oder muss. Und langsam geht ihnen auf, dass sie da vielleicht zu nassforsch waren, nur leider nicht mehr wissen, wie sie aus der Nummer rauskommen sollen. Wie gesagt, meine persönliche Einschätzung. Aber vielleicht beruhigt es Sie ja zu wissen, dass wir Journalisten nicht jede schiere Spekulation einfach raushauen.

    Gruß,
    Emil Hörmann

    PS: alter Journalistenwitz: „Informierte Kreise = 3 betrunkene Journalisten an der Bar“

    1. Jetzt fühle ich mich einigermaßen inkommodiert: Einerseits darob, dass ich vergessen habe, Ihnen zu antworten, andererseits weil ich Ihnen wirklich in jeder Hinsicht ihres letzten Kommentars Recht geben muss – sogar den letzten Absatz betreffend. Donald Trump meinte wohl, die staatliche Administrative wie eine Privatfirma führen zu können. Diese oft widerholte küchenpsychologische Einschätzung mag lächerlich naheliegend sein, aber sie stimmt mE und betrifft auch seinen engsten Stab:

      Jared Kushner hat in politischen und Staatsgeschäften keine Erfahrung, Reince Priebus stellt sich die Koordinationsarbeit im Weißen Haus auch als schwieriger dar denn das vorherige Management einer Partei, und Steve Bannon fehlt es als intellektuellem Langfristdenker am Gespür für das tagespolitisch Machbare, Nützliche und Kluge. Es hätte vielleicht gut getan, das Tempo anfangs nicht so anzuziehen, sich einmal einzuarbeiten und die Posten zu besetzen. Andererseits hätte man dem neuen Team diese Zeit auch zugestehen müssen. So oder so, Trump ist als als Disruptor angetreten, und angesichts seiner politischen Unerfahrenheit ist seine Performance im Präsidentenamt mE beeindruckend stark.

      Ich finde auch, dass Mike Pence, Rex Tillerson, James Mattis, John Kelly, Jeff Sessions und Mick Mulvaney eine sehr gute Figur im Kabinett machen. Neil Gorsuch ist ohnehin eine Top-Wahl gewesen. Paul Ryan und vor allem Mitch McConnell scheinen ihr Metier auch zu beherrschen. Ich bin offen optimistisch und wette auf für die Republikaner hervorragende Wahlen 2018 und 2020.

      Beste Grüße,
      Jörg Mayer

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