Kolumnen

Ablasshandel in Hollywood

Von Jörg Mayer

„I’m automatically attracted to beautiful—I just start kissing them. It’s like a magnet. Just kiss. I don’t even wait. And when you’re a star, they let you do it. You can do anything. Grab ‘em by the pussy. You can do anything.“ Dieser Mitschnitt eines Privatgesprächs aus 2005 hätte The Donald vor einem Jahr fast den Wahlsieg gekostet. Laut war der Aufschrei in den Medien, tief betroffen verurteilte die Riege der Hollywood-Stars den misogynen Sexisten Trump. Allen voran Meryl Streep, deren Brandrede bei den Golden Globes 2017 allerorten bejubelt wurde. So mutig! So feministisch!

Ein Jahr später wissen wir, wie Hollywood wirklich tickt. The chickens come home to roost. Harvey Weinstein – gefeierter Filmmogul, linker Philanthrop, Intimfreund und Großspender demokratischer Spitzenpolitiker (darunter 250.000$ an die Clintons), ein „wundervolles menschliches Wesen“ laut Michelle Obama (Tochter Malia arbeitete bei Weinstein Co.) und gelegentlich auch „Gott“ genannt (©Meryl Streep, Golden Globes 2012) – jener Harvey Weinstein wurde also vor einigen Monaten öffentlich als der elende Sex-Täter enthüllt, der er immer war – und wovon jeder in Hollywood wusste, dass er es war.

Schon seit den frühen 1980ern hatte Weinstein junge Schauspielerinnen aus seiner Machtposition heraus zum Sex „genötigt“, abgesichert durch Schweigegeld an die Opfer und politische Zuwendungen an die Demokraten. Frauen, die aussagen wollten, wurden eingeschüchtert. Die oscar-gekrönten Mitwisser, die es hätten anprangern können, schwiegen – tu quoque, Oprah Winfrey!

Jahrzehntelang waren ihnen die Millionengagen und Academy Awards, die sie im Fahrwasser von Weinsteins Erfolg einstreiften, wichtiger gewesen. Aber plötzlich zeigten sie sich erschüttert über diese dunkle Seite ihres Lieblings Harvey. Wer hätte das nur ahnen können! Ja genau, niemand hat davon gewusst… Darum intervenierte Matt Damon schon 2004 bei der New York Times, um eine Story über Weinstein zu stoppen, die das ehrenhafte linke Blatt auch gleich abdrehte. Vermutlich hat auch Brad Pitt einfach nur vergessen, dass er Weinstein schon in den frühen 90ern weitere sexuelle Belästigungen gegenüber seiner damaligen Freundin Gwyneth Paltrow untersagen musste.

Fakt ist: All die linken Stars mit ihren moralischen Zeigefingern schauten 30 Jahre lang gerne weg. Und darum durften 30 weitere Jahre vergehen, in denen Nachwuchsschauspielerinnen Weinsteins freie Beute waren. Und die Chuzpe der ganzen Geschichte: Als alles aufflog, glaubte Weinstein sich damit retten zu können, einen Film gegen Trump anzukündigen. Vielen Dank Harvey, endlich bringt einer das moralische Koordinatensystem der Linken auf den Punkt!

Aber so neu ist das alles nicht: Meryl Streep zeigte uns ja schon bei den Oscars 2003 mit ihrer Roman-Polanski-Euphorie, wie moralisch korrumpiert Hollywood ist. Der prämierte Regisseur konnte ja nur deshalb nicht selbst anwesend sein, da er sich weiterhin in Europa den US-Strafverfolgungsbehörden entziehen muss, seit er einst eine 13-Jährige mit Drogen gefügig gemacht und dann zu Sex in alle Körperöffnungen gezwungen hatte. Aber gut, Donald Trump hat einmal „Grab ‘em by the pussy!“ gesagt. Aufschrei! Skandal! Empörung! Dieser böse, böse Mann!

Gut, dass es das edelmütige linke Establishment gibt, das Frauen vor diesen bösen Männern schützt.

 

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