Kolumnen

Freies Spiel – freie Ehe?

Von Norbert Nemeth

Seit dem Plenum Ende Juni haben wir es also wieder: das freie Spiel der Kräfte. Hatte die ÖVP durch ihren neuen Obmann Sebastian Kurz zuvor der SPÖ den Koalitionspakt gekündigt und Neuwahlen ausgerufen, so war es nunmehr die SPÖ, die mit FPÖ, Grünen und Neos gegen die ÖVP den freien Hochschulzugang sicherstellte. Das Abstimmen jenseits eines Koalitionspaktes legt parlamentarische Schwächen offen, hat aber auch einen großen Vorteil, zumal die Klubs sich nicht mehr auf andere Parteien ausreden können und somit ihre wahre gesellschaftspolitische Ausrichtung besser erkennbar wird.

So geschehen bei einem Fristsetzungsantrag von SPÖ, Grünen und Neos betreffend die Einführung der „Homoehe“. Der Antrag wurde mit den Stimmen der FPÖ, der ÖVP und des Team Stronach abgelehnt – ein Vorgang, der uns vor Augen führt, dass es so etwas wie eine „bürgerliche Mehrheit“ im Nationalrat gibt. Andernfalls würde der § 44 des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches (ABGB) nunmehr so lauten: „In einem Ehevertrag erklären zwei Personen ihren Willen, in umfassender partnerschaftlicher Lebensgemeinschaft und Vertrauensbeziehung zu leben, sich gegenseitig mit Respekt zu begegnen und einander auf Dauer beizustehen.“

Da gefällt uns die geltende Rechtslage, die gerade noch einmal gerettet wurde, besser – auch wenn sie aus dem Jahre 1811 stammt: „Die Familien-Verhältnisse werden durch den Ehevertrag gegründet. In dem Ehevertrage erklären zwey Personen verschiedenen Geschlechtes gesetzmäßig ihren Willen, in unzertrennlicher Gemeinschaft zu leben, Kinder zu zeugen, sie zu erziehen, und sich gegenseitigen Beystand zu leisten“. Der wesentliche Unterschied ist sofort erkennbar: der Begriff der Familie und der Kinder, die gezeugt und erzogen werden sollen.

In der Debatte fielen zwei Aspekte auf, die die Befürworter des Antrages gebetsmühlenartig vor sich hertrugen. Da war zunächst die Behauptung, dass es darum gehe, „all diese Diskriminierungen“ aufzuheben. Keiner der Redner hatte sich aber die Mühe gemacht, auch nur ein einziges Beispiel zu nennen! Vielleicht, weil es keine nennenswerten Diskriminierungen von gleichgeschlechtlichen Paaren mehr gibt? Weil die Höchstgerichte sie alle bereits beseitigt haben?

Womit wir beim zweiten Aspekt wären, nämlich der Rolle eben dieser Höchstgerichte: Haben jene wirklich das Recht, den für unseren Kulturkreis maßgeblichen Ehebegriff aufzuheben? Folgt man der Argumentation der ÖVP-Abgeordneten Michaela Steinacker, könnte es demnächst so weit kommen, zumal die ÖVP ihren „Mut“ aus mehreren anhängigen VfGH-Verfahren schöpfte und weniger aus einer konservativen Überzeugung: „(…) sind derzeit verschiedene Beschwerden beim VfGH anhängig (…) weil gleichgeschlechtliche Partner die Ehe nach dem Ehegesetz nicht schließen dürfen, (…) Wir gehen davon aus, dass der VfGH dieses Thema zeitnah entscheiden wird.“

Meine Prognose lautet daher, dass die „Homoehe“ in der nächsten Legislaturperiode kommen wird. Die ÖVP wird auf Zuruf der Höchstgerichte umfallen. Es sei denn, die FPÖ kommt in die Regierung und verhindert im Wege eines entsprechenden Koalitionspaktes eine Änderung des § 44 ABGB.


Parlamentsrat Mag. Norbert Nemeth ist Klubdirektor des Freiheitlichen Parlamentsklubs und Autor zahlreicher historischer Romane.

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50 Wahrheiten, die Linke leugnen

Von Jörg Mayer

Mit Linken diskutieren ist nicht einfach, schon gar nicht in Wahlkampfzeiten. Im schlimmsten Falle werden Argumente einfach niedergeschrien oder verachtungsvoll nicht zur Kenntnis genommen, im günstigeren Falle wird der Diskussionsinhalt moralisiert oder der Diskussionspartner mit Ad-Personam-Angriffen zur entnervten Aufgabe gezwungen. Um das eigene Weltbild ideologisch einzubunkern, sind Linke freilich gezwungen, eine ganze Reihe von wahren Aussagesätzen zu leugnen. Überprüfen Sie Ihr eigenes Weltbild anhand der folgenden Liste! Je mehr der folgenden Sätze Sie nicht wahrhaben wollen, umso linker ist Ihre Gesinnung:

 

1) Der Mensch ist ein durch die Evolution und sein genetisches Erbe vorgeprägtes biologisches Wesen.

2) Der Mensch hat einen freien Willen und trägt daher eine persönliche Verantwortung für sein Tun und Lassen.

3) Ein ungeborenes Kind im Mutterleib ist seinen Möglichkeiten, seiner Veranlagung und seinem Wesen nach ein Mensch.

4) Die Zahl der Geschlechter, die es gibt, ist: 2.

5) Das biologische Geschlecht entscheidet, ob man ein Mann oder eine Frau ist.

6) Eine intakte Familie mit einem Vater und einer Mutter ist das beste Modell für Kinder, um gut aufzuwachsen.

7) Kinder brauchen Vorbilder, Regeln und Erziehung, um Gut und Böse unterscheiden zu lernen und in der Welt zu bestehen.

8) Unsere zivilisatorischen Errungenschaften sind nicht selbstverständlich, sondern müssen von jeder Generation weitergegeben werden.

9) Alle Menschen sind charakterlich nicht gleich, sondern es gibt moralisch schlechtere und bessere Menschen.

10) Manche Menschen besitzen einen so verbrecherischen Charakter, dass sie nicht resozialisierbar sind.

11) Verbrecher besiegt man nicht, indem man ihnen mit Liebe begegnet, sondern indem man sie an ihrem Tun hindert.

12) Die Hauptaufgabe des Staates ist der Schutz der Bevölkerung vor ihren äußeren und inneren Feinden.

13) Eine Gesellschaft, die angegriffen wird und sich nicht dagegen wehrt, ist dem Untergang geweiht.

14) Mit jedem ausgeschalteten Terroristen sinkt die Zahl der Terroristen auf der Welt um den Betrag 1.

15) Ein Anstieg des muslimischen Bevölkerungsanteils bedeutet eine zunehmende Islamisierung der Gesellschaft.

16) Die Masseneinwanderung aus Krisengesellschaften verwandelt die Aufnahmeländer ebenfalls in Krisengesellschaften.

17) Armutseinwanderung löst nicht das Armutsproblem, sondern verschwendet Mittel, die zur Armutsbekämpfung gebraucht würden.

18) Gesellschaftlicher Wohlstand entsteht nicht durch Konsum, sondern durch Produktion von Gütern.

19) Staatliche Umverteilung macht Menschen nicht erfolgreicher, sondern noch abhängiger vom Staat.

20) Je höher die Steuerbelastung der Wirtschaft, desto weniger oder desto teurer muss produziert werden.

21) Je höher das Wirtschaftswachstum, umso höher der Gesamtwohlstand.

22) Je mehr Macht der Bürger dem Staat gibt, desto stärker bestimmt die staatliche Bürokratie das Leben der Bürger.

23) Alles Geld, das der Staat ausgibt, muss er durch offene oder versteckte Steuern von den Bürgern einnehmen.

24) Inflation, also die Ausweitung der Gesamtgeldmenge, ist eine versteckte Steuer.

25) Die Besteuerung von Grundbesitz bedeutet, dass sich nur Besserverdiener Grundbesitz leisten können.

26) Erbschaftssteuern richten sich gegen Familien, gegen die Testierfreiheit und gegen das Recht auf Eigentum selbst.

27) Je mehr sich ein Staat verschuldet, umso mehr ist er den Finanzmärkten ausgeliefert.

28) Stetig neues Wachstum als Lösung für stetig neue Schulden ist auf einem endlichen Planeten nicht möglich.

29) Nur weil etwas staatlich, gemein- oder genossenschaftlich geregelt ist, ist es noch lange nicht besser.

30) Nur weil etwas international oft vorkommt, ist es noch lange nicht besser.

31) Nur weil etwas neu ist, ist es noch lange nicht besser.

32) Eine Forderung einer Minderheit ist nicht allein deshalb berechtigt, weil sie die Forderung einer Minderheit ist.

33) Niemand hat ein Anrecht auf das Geld oder die Leistung eines anderen Menschen ohne eigene Gegenleistung.

34) Rechtsgleichheit bedeutet gleiches Recht für alle, und nicht, dass bestimmte Gruppen protegiert werden sollen.

35) „Positive Diskriminierung“ ist nichts Anderes als Diskriminierung zum Wohle der bevorzugten Gruppe.

36) Würden Frauen für gleiche Wertschöpfung weniger verdienen, müssten bei freier Konkurrenz nur mehr Frauen eingestellt werden.

37) Es ist nicht konsistent, die Rechte von Frauen gesellschaftlich einzufordern, aber die Unterdrückung von Frauen im Islam zu akzeptieren.

38) Die Lehren der verschiedenen Religionen sind verschieden und müssen daher auch verschieden bewertet werden.

39) Die gewalttätigste Religion auf der Welt ist der Islam.

40) Die meistverfolgte Religion auf der Welt ist das Christentum.

41) Da Muslime keine Rasse, sondern eine Religionsgemeinschaft sind, ist die Ablehnung ihrer Ideologie kein Rassismus, sondern Religionskritik.

42) „Verletzte Gefühle“ sind kein objektives Kriterium für Einschränkungen der Meinungsfreiheit.

43) Pressefreiheit ist das Recht jedes Menschen, seine Meinung zu verbreiten, und kein Privileg für Angestellte von Medienbetrieben.

44) Bei einem Medienbetrieb zu arbeiten macht einen nicht intelligenter, glaubwürdiger oder moralischer, als es andere Menschen sind.

45) Die Geschäftsinteressen von Medienbetrieben sind nicht Wahrheit und Moral, sondern Marktanteil und Profit.

46) Begriffe wie „faschistisch“, „rassistisch“, „sexistisch“, „homophob“, „islamophob“, „misogyn“ usw. dienen dazu, Menschen einzuschüchtern.

47) Die Ideologie in der Weltgeschichte mit den meisten Todesopfern heißt: Kommunismus.

48) Der Linksradikalismus ist ein ernstes Problem für unsere Gesellschaft.

49) Meinungsfreiheit ist die Freiheit, auch Dinge zu sagen, die Linke nicht hören wollen.

50) Es ist legitim, eine nicht-linke Weltanschauung zu haben.

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Das Feindbild Melania Trump

Von Nicole di Bernardo

Stellen Sie sich vor, jemand würde in den sozialen Netzwerken ihr Kind mit dem sadistischen König Joffrey aus Game of Thrones vergleichen und als Antichrist und Tierquäler beschimpfen. Wie würden Sie sich fühlen, wenn in aller Öffentlichkeit Kommentare gepostet werden, wonach ihr Sohn ein zukünftiger Vergewaltiger und Amokschütze sei? Was wäre, wenn plötzlich alle Medien voll mit beleidigenden Kommentaren über ihre eigene Person wären, und man behaupten würde, man könnte an ihrer Mimik und Gestik erkennen, wie sehr sie ihren Ehepartner hassen, und dass die Scheidung bald ins Haus stünde? So erging es in den letzten beiden Monaten Barron Trump, dem Sohn des neuen US-Präsidenten, und seiner Mutter Melania.

Viele werden behaupten, dass eine Person des öffentlichen Lebens sich solche Kommentare gefallen lassen muss. Wenn jedoch die eigenen Kinder von Mobbing und Spott betroffen wären, würde jede Mutter wohl alles versuchen, um sie davor zu schützen. Warum sollten derartige Diffamierungen also in Ordnung sein, wenn es sich um ein zehnjähriges Kind handelt, das durch die Entscheidungen seines Vaters Donald Trump in das Schussfeld der Medien gelangt ist? Und auch wenn Melania Trump freiwillig die Entscheidungen ihres Gatten mitträgt, sind die gehässigen Kommentare gegen ihre Person nicht akzeptabel. Ständig wird jeder ihrer Schritte analysiert und ins Lächerliche gezogen. Und wenn sie sich keine Fehler leistet, werden welche gesucht und notfalls erfunden.

Oft wird behauptet, sie wäre nur ein stiller Schatten ihres Gatten, der ihm jeden Fehltritt verzeiht und dabei noch dümmlich in die Kamera lächelt. Wenn man sich jedoch näher mit dieser in der Öffentlichkeit oft zurückhaltend wirkenden Frau beschäftigt, erkennt man schnell, dass viel mehr hinter ihr steckt als nur ein Model, das es zur Milliardärin geschafft hat. Sie vertreibt nicht nur eine eigene Beautylinie und Schmuckkollektion, sie spricht auch fünf verschiedene Sprachen – vermutlich um einiges besser als jene amerikanischen Linken, die sich so gern über ihren slawischen Akzent lustig machen. Im Gegensatz zu so manch anderer Frau, die es sich an der Seite eines berühmten Mannes gemütlich macht, versucht sie immerhin auf eigenen Beinen zu stehen und bezeichnet sich auch in ihrer Beziehung als selbstständigen und ebenbürtigen Partner.

Die Kindererziehung übernimmt sie persönlich und verzichtet auf ein Kindermädchen, was in den besseren Kreisen teilweise schon fast wieder verpönt ist. Scheinbar verärgert dieses gute Beispiel auch einige Promimütter, die ihre Krallen ausfahren und sie als reines Anhängsel eines sexistischen Ehemannes bezeichnen, der sie in einen goldenen Käfig drängt. Auch ihre Nacktfotos sind immer wieder Thema in den Medien und werden als einer First Lady unwürdig bezeichnet. Aber was spricht in der heutigen Zeit dagegen, wenn eine Frau, die stolz auf ihren Körper ist, dies auch zeigen möchte? Es ist schon etwas fragwürdig, wenn Feministinnen sich genau darüber auslassen – und zeitgleich die Möglichkeit der Entfaltung und persönlichen Freizügigkeit des weiblichen Geschlechts feiern.

Doch als wären all diese gehässigen Kommentare nicht schon genug, melden sich auch noch sogenannte „Verhaltensexperten“ zu Wort und wollen das Ende ihrer Beziehung voraussehen. Wie sehr muss sie da unter Druck stehen, wenn sie weiß, dass alles, was sie tut, ausgeschlachtet wird, um sie zu verletzen? Kann sie ihrem Sohn erklären, warum in den Medien behauptet wird, seine Eltern würden sich scheiden lassen? Auch wenn es sicher bis zu einem gewissen Punkt wahr ist, dass Personen öffentlichen Interesses fragwürdige Aufmerksamkeit und Kritik ertragen müssen, sollte jedoch spätestens dort die Grenze erreicht sein, wo persönliches Leid die Oberhand gewinnt.

Pro&Contra

Frauen beim Heer?

JA!

Von Nicole di Bernardo

Frauen vereinen in sich vielerlei Fähigkeiten, die beim Dienst an der Waffe von Vorteil sind. Dies beweisen schon die so unterschiedlichen Herausforderungen, die etwa berufstätige Mütter meistern müssen. Der stressige Alltag zwischen Familie und Arbeit zeigt ihre hohe Belastbarkeit: Frauen erledigen vielfältige Aufgaben, ohne in Hektik zu geraten, und bewahren dabei einen kühlen Kopf. Dabei bringen sie Termine über Termine unter einen Hut, was für Disziplin und Pünktlichkeit spricht. Tugenden, die beim Heer gebraucht werden.

Zugleich ist es oft erforderlich, schwierige Entscheidungen für andere zu treffen und zu tragen: nämlich für seine Kinder. Mütter schaffen das mit einem hohen Maß an Verantwortung, aber auch mit Empathie – ebenfalls Eigenschaften, die gerade in führenden militärischen Positionen wichtig sind. Auch die Ausarbeitung von Problemlösungs-Strategien, logisches Denken und logistische Organisation sind Fähigkeiten, die das weibliche Geschlecht oft vorrangig auszeichnen. Denn es kann kaum eine anspruchsvollere Aufgabe geben, als manch Göttergatten zur Mithilfe im Haushalt zu bewegen oder die bockenden Kinder dazu zu bringen, endlich ihre Zimmer aufzuräumen.

Doch auch dies schaffen Frauen und beweisen damit alltäglich, dass sie das nötige Durchsetzungsvermögen für die militärische Laufbahn haben. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis sie auch dieses von Männern entwickelte System dominieren werden – und ihr Wirken von Erfolg gekrönt sein wird. Die Zahl der Verteidigungsministerinnen – von der schwedischen Marineoffizierin Karin Entsröm bis zu der noch sowjetisch ausgebildeten Südafrikanerin Nosiviwe Mapisa-Nqakula – sprechen eine klare Sprache.

 

NAJA…

Von Jörg Mayer

Kennen Sie Or Ben-Yehuda? Der Hauptmann der Israelischen Streitkräfte geriet 2016 kurz vor Weihnachten in einen terroristischen Hinterhalt nahe der ägyptischen Grenze. Obwohl selbst angeschossen, versorgte er seinen verwundeten Fahrer und erwiderte das Feuer, bis rettender Entsatz eintraf – wofür er mit der israelischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet wurde. Was das mit dem Thema zu tun hat? Der „Hauptmann“ ist eine Frau, deren Mutter selbst schon im Jom-Kippur-Krieg dekoriert wurde.

Nein, es gibt wahrscheinlich keine vernünftigen Gründe mehr, Frauen den Eintritt in eine Armee zu verwehren, und Israel ist das beste Beispiel dafür, wie selbstverständlich der Dienst an der Waffe sein kann – inklusive Frauen-Wehrpflicht. Die Soldatinnen haben sogar eine eigene Facebook-Fanpage: IDFWomenOfIsrael.

Nun muss man nicht Ulrich von Liechtenstein sein, um die Idee, in einem Kampfeinsatz auf Frauen zu schießen, trotzdem als Zivilisationsbruch zu empfinden, der die alte Vorstellung von Ritterlichkeit im Krieg endgültig begräbt. Freilich, Rollenbilder sind passé. Trotzdem wird es nicht zuvorderst ein Akt der Emanzipation sein, wenn hierzulande einmal auch Frauen eingezogen werden. Passieren wird es erst, wenn die geopolitische Lage so unsicher geworden ist, dass die Bewaffnung von Frauen ein sicherheitspolitisches Gebot ist. Wollen wir hoffen, dass dieser Tag noch sehr fern ist – und das Bundesheer somit noch eine Weile ganz männerdominiert bleibt!

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Ein-Kind-Politik für Europa?

Von Nicole di Bernardo

„Es gibt einen Schalter. Wenn du ihn betätigst, stirbt die Hälfte der Menschheit. Aber wenn du es nicht machst, wird die ganze menschliche Rasse in einhundert Jahren ausgestorben sein.“ So dramatisch beginnt der Trailer zur jüngsten Verfilmung von Dan Browns Roman Inferno, in dem ein brillanter, besessener Biochemiker ein tödliches Virus entwickelt hat, das die Weltbevölkerung dezimieren und damit die Folgen der Überbevölkerung eindämmen soll.

Was im ersten Moment wie reine Fiktion klingt, bekommt angesichts des neuen Berichts des sogenannten Club of Rome einen bitteren Beigeschmack. Dieser Club of Rome definiert sich selbst als Zusammenschluss von Personen aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft, die sich für eine nachhaltige Zukunftsperspektive der Menschheit einsetzen. Mit seiner Publikation Die Grenzen des Wachstums hat er bereits 1972 allgemeine Aufmerksamkeit erlangt. Nach wie vor gehören ihm hochkarätige Personen an.

Nun hat der Club of Rome die brisante Forderung nach einer Ein-Kind-Politik in den Industrieländern erhoben: Frauen, die höchstens ein Kind bekommen, sollen zu ihrem 50. Geburtstag eine Prämie von 80.000 Dollar erhalten. Auf diese Weise soll ein überhöhtes Wachstum der Weltbevölkerung und damit die Hauptursache für die Zerstörung der Umwelt und die Ausbeutung natürlichen Ressourcen reduziert werden.

Als Frau in einem Industrieland kann ich angesichts dieser Forderung freilich nur den Kopf schütteln, stehe ich in Zukunft ja vor ganz anderen, geradezu entgegengesetzten Herausforderungen: Kann und will ich überhaupt noch Kinder in die Welt setzen? In gefährlichen Zeiten, in denen Schlagzeilen von Terror, Mord, Krieg, Massenmigration usw. an der Tagesordnung sind, erfüllt mich die Vorstellung, ein Kind großzuziehen, mit Angst. Wie soll ich wissen, dass ich meinem Nachwuchs in Zukunft überhaupt noch ein sicheres Heim bieten kann?

Auch die Frage nach der finanziellen Absicherung lässt mich manches Mal an dem Wunsch der eigenen Familiengründung zweifeln. Wie lange lässt es mein Beruf überhaupt zu, dass ich in Karenz bleibe? Kann ich es mir leisten, vielleicht auch ein wenig länger zuhause bei meinen Kindern zu bleiben? Fragen, bei denen es nicht darum geht, ob ich mir noch diesen oder jenen Urlaub leisten kann, sondern ob am Ende des Monats das Geld vielleicht schon bei den Grundnahrungsmitteln knapp wird. Wo der Haushalt am Einkommen eines Einzelnen hängt, ist außerhalb der notwendigen Fixkosten das Anlegen von finanziellen Polstern heute jedenfalls nicht mehr möglich.

Zu diesen Bedenken kommt für mich der soziale Druck: In unserer Hochleistungs- und Konsum-Gesellschaft muss der Mensch zeitlich perfekt abgestimmt leben. Ich sollte also nicht zu früh mit der Kinderplanung beginnen, da es ja geboten ist, das eigene Leben zu verwirklichen und in vollen Zügen auszukosten. Zugleich werde ich wohl auch mit einem schiefen Blick bedacht, wenn ich mir wirklich Zeit lasse und die Karriere vor die Familie stelle. Viele Singlefrauen Anfang 30 kennen ja die besorgten Fragen der Verwandten und Bekannten, ob man denn Ende vorhabe alleine und kinderlos zu bleiben. DAS ist die Situation heute in den Industrieländern.

Also ja, wir stehen wirklich vor einer Ein-Kind-Politik. Aber nicht als Instrument der Geburtenkontrolle. Sondern als Herausforderung, überhaupt noch Kinder in die Welt zu setzen.

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Familienpolitik zwischen Gestern und Morgen

Von Jörg Mayer

Wenn von Rechts und Links die Rede ist, geht es meist um große ideologische Gedankengebäude, um Lebensstile, Gruppengefühle und Geschichtsbilder. Seltener geht es dabei um jenen Bereich des menschlichen Lebens, der jeden einzelnen von uns wie kein anderer geprägt hat: die Familie. Dabei gibt es durchaus Gründe, gerade im höchstpersönlichen Bild von „Familie“, das jeder in sich trägt, das Urprinzip des Gegensatzes von Rechts und Links zu erkennen. Der Neurolinguistiker George Lakoff etwa verfolgt diesen Ansatz in durchaus überzeugender Weise.

Nun scheint es aber, als würde jede Diskussion um Familienpolitik schon an der Definition in Schwierigkeiten geraten. Denn was ist das überhaupt, Familie? Wir scheinen uns der Sache nicht mehr sicher zu sein. Für besonders progressiven Geister gilt als Familie heute jede Gruppe, wo „Menschen füreinander Verantwortung übernehmen“. In konservativen Kreisen dagegen gilt nach wie vor, dass Familie die Gemeinschaft von Eltern mit ihren eigenen leiblichen Kindern ist.

Klar ist: Familie unterliegt einem gesellschaftlichen Wandel. In heidnischer Zeit waren Großfamilien- und Sippenbeziehungen von ungleich größerer Bedeutung als heute. Die wirtschaftliche Notwendigkeit, die kürzere Lebenserwartung des einzelnen, die Sicherheit durch Blutsverwandtschaften, sie prägten das Bild von Familie. Dies änderte sich erst an der Schwelle zum Hochmittelalter, als sich Wertigkeiten neu ausbalancierten. Die Literatur jener Zeit bildet das ab: Hatte man der historischen Hildico noch nachgesagt, ihren Gatten Attila ermordet zu haben, ließ ihr literarisches Abbild Kriemhild ihre drei Brüder erschlagen. Rache für den Geliebten war verständlicher geworden als Fügsamkeit gegenüber der eigenen Sippe.

Das Christentum unterstrich die Bedeutung der Ehebeziehung besonders: Polygamie, Brautkauf und Kinderehen waren aus christlicher Sicht undenkbar. Gleichzeitig rotteten die Hexenverbrennungen das Wissen und Ansehen der alten Frauen aus, mit dem Buchdruck wurden die Alten als Bewahrer aller Volkskenntnisse gänzlich an den Rand gedrängt. Übrig blieb eine Kernfamilie, im idealen Fall eine Liebesgemeinschaft, bis in die industrielle Revolution hinein aber auch die vorrangige Wirtschaftsbeziehung.

Eine Institution bricht auseinander

Mit den modernen Produktionsformen trennte sich das Erwerbsleben vom häuslichen Bereich: Kinder wuchsen nicht mehr in die Berufe der Eltern hinein, stattdessen etablierten sich eigene Lebenssphären immer mehr nebeneinander. Mit der Einführung der Anti-Baby-Pille folgte der Geburtenzusammenbruch. Der eigentliche Grund, der zum Absinken der Geburtenrate – von 2,8 Kindern pro Frau Anfang der 1960er auf nur noch 1,4 Kinder pro Frau heute – geführt hat, war jedoch ein erneuter Mentalitätswandel: Indem sich die Frauen aus der finanziellen Abhängigkeit der Männer befreiten, verlor die Ehe ihre alleinige Versorgungsfunktion. Der Effekt der neugewonnenen Freiheit war nur natürlich: Innerhalb eines halben Jahrhunderts stieg die Scheidungsrate auf über 40%, lose Lebenspartnerschaften traten an die Stelle der verbindlichen Ehe, Patchwork-Familien entstanden und die Zahl der Ein-Personen-Haushalte explodierte.

Mit diesen emanzipatorischen Erfolgen einher ging eine „Unterjüngung“ der Gesellschaft. So sind gegenwärtig über 60% aller Haushalte in Österreich kinderlos, nur noch jeder vierte Haushalt besteht aus Vater, Mutter, Kind. Gleichzeitig schrumpft der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung wegen der immer längeren Ausbildungszeiten und steigenden Lebenserwartung trotz der weitreichenden Erschließung der Ressource Frau durch die Wirtschaft. Das Ergebnis ist ein gewissenlos betriebener Einsatz des Humankapitals für die Interessen der Gegenwart auf Kosten der Zukunft, oder anders ausgedrückt: die mathematische Gewissheit des Zusammenbruchs jenes Umlageverfahrens, auf dem unsere Altersvorsorge fußt.

Zum quantitativen Problem gesellt sich indes ein qualitatives: Die Gesellschaft hat nicht nur immer weniger Kinder, die Kinder bekommen auch immer weniger an Erziehung. Wo in einem Sippenverband viele Eltern und viele Kinder zusammenlebten, verengte schon die Kernfamilie die Gemeinschaft auf ein Elternpaar und die eigenen Kinder. In der Gegenwart schrumpft dieses Verhältnis noch weiter zusammen – sei es, weil ein Kind nicht mehr Vater und Mutter bei sich hat, sei es, weil es schon früh in Fremdbetreuung abgestellt werden muss. Daran ändert auch die Idee einer intensiven Quality Time am Abend nichts, denn zu diesem Zeitpunkt hat das Kind den ganzen Tag schon Erfahrungen gemacht, die es nicht mitteilen konnte, Fragen gehabt, auf die es keine Antworten bekam, Gefühle empfunden, für die sich niemand interessierte, und unzählige Male den Blickkontakt gesucht mit jemand so Vertrauten wie Mama oder Papa.

Studien belegen längst, wie problematisch die Verwahrung von Kleinkindern in Krippen ist, wo sie unter permanenter Stresseinwirkung leiden, ausschließlich mit Gleichaltrigen zusammen sind, von denen sie wenig lernen können, und wo die Betreuungspersonen meist nur „sauber-sicher-satt“ leisten können. Kein Wunder, dass Entwicklungsstörungen immer mehr zum Problem werden, was allein der Exzess an ADHS-Diagnosen zeigt. 10% aller Kinder bekommen mittlerweile an irgendeinem Punkt Ritalin verschrieben, um sie ruhig zu stellen. Die Welt, die Aldous Huxley einst beschrieben hat, kommt damit in Riesenschritten näher: Familien sind heute lange schon nicht mehr präexistente Grundlage der Gesellschaft und Träger des nationalen Gedächtnisses, sondern Objekte staatlicher Fürsorge, Verwaltung und Kontrolle.

Belastung statt Förderung

Österreich macht keine Ausnahme darin, seine Maximen an familienfeindlichen Positionen zu orientieren. Dazu gehört, Familien mit aller Macht zu besteuern und das Zurückgeben eines Teils der Beute über Förderungen als große Wohltat zu verkaufen. Gleichzeitig zeigt der Staat, dass er die Familie nicht als Einheit ansieht: Österreich hat eines der strengsten Individualsteuersysteme Europas. Das Ergebnis dieser Politik ist, dass Kinder längst zur Armutsfalle geworden sind. Dabei liegt der Sinn in Familienförderung ja gar nicht unbedingt darin, junge Paare zum Kinderkriegen zu animieren. Die Bevölkerung Österreichs ist viel wohlhabender als manch kinderreiche Nation.

Doch was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn Familien von staatlicher Hand schlechter gestellt werden als jene, die sich auf den Früchten eines Generationenvertrags ausruhen, für den sie selber nichts beitragen? Familienförderung ist ein Gebot der steuerlichen Gerechtigkeit. Freilich, auch hier gilt es Bedacht zu nehmen, dass sich Fleiß mehr lohnt als Trägheit: Wenn eine Familie von Vater, Mutter und drei Kindern ein Jahresbruttoeinkommen von 30.000,- braucht, um dasselbe Haushaltsnettoeinkommen wie eine Familie in der Mindestsicherung zu erreichen, läuft gehörig etwas falsch im Staate.

Dennoch kommen wir langfristig um die Frage nicht herum, was uns Familie zukünftig wert ist. Es scheint, dass der kurzfristige wirtschaftliche Gewinn in Österreich zurzeit mehr gilt als die langfristige Finanzierbarkeit unserer Altersvorsorge, ein gesundes Umfeld für die heranwachsende Generation und eine gerechte steuerliche Behandlung der Familien. Aber dieses System werden wir hinterfragen müssen.

Würden heute zwei Mütter als Betreuerinnen in einer Kinderkrippe die Kinder der jeweils anderen Mutter großziehen, bekämen sie als starke Vorzeigefrauen großen Applaus dafür, so schnell ins Erwerbsleben zurückgekehrt zu sein und Beruf und Familie vereinen zu können. Sobald allerdings jede Mutter einfach ihr eigenen Kinder großzieht, lebt sie angeblich in einem überholten, patriarchalen Machtsystem, das sie unterdrückt.

Ist so eine Ideologie nicht völlig verrückt? Ja, das ist sie. Und ihrer Logik folgt unser gegenwärtiges System.