Reflexionen

Schattenreise: Reflexionen über Carl Schmitt

Von Homo Faber


I. Vorspiel

Als das erste Wetterleuchten die Sterne vom Nachthimmel im noch jungen Jahrhundert geschmolzen hatte, saß Carl Schmitt am 9.1jul./22.1.greg. 1905 wohl gerade an seinem Schreibtisch und wird entweder für den bevorstehenden Schulabschluss gelernt oder einen Brief an seine Schwester verfasst haben – Näheres wissen wir nicht. An diesem Tag begann es – und sollte nicht mehr enden. Bis zu seinem Lebensende begleiteten ihn die Schatten der Revolution, die im Kugelhagel Zarenreich und Romanows hinwegfegte. Im Jahr 1905 blieb es noch beim Leuchten, wie ein Donner nach einem Gewitter verhallte dieser und so verlief sich scheinbar die Revolution. Der große Krieg und der sichtbare äußere Feind im Jahr 1914 hatte das Land vereint und einen oberflächlichen inneren Frieden schwelen lassen. Der Kriegssturm raste um die Welt. Doch am Donnerstag, dem 23.02.1917, kommt es in Petrograd zu ersten Protesten, die am 12.11.1917 in die Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung münden, welche die Oktoberrevolution beenden.


II. An einem anderen Ort

Carl Schmitt leistete in jenen stürmischen Spätherbsttagen seinen Kriegsdienst, zensierte unter anderem den Roman Le Feur von H. Barbusse und überwachte die Redaktion der Zeitschrift Der Ziegelbrunnen von Ret Marut[1]. Nahezu zeitgleich – am 18.10.1917 – hielt Konrad Adenauer seine Antrittsrede als Oberbürgermeister von Köln. Bereits im Jahr 1916 hatte Carl Schmitt, sich dem Thema der Diktatur annähernd, sich mit Diktatur und Belagerungszustand – eine staatsrechtliche Studie. Die Einwirkung des Kriegszustands auf die ordentlichen strafprozessualen Verfahren auseinandergesetzt.

Seine wohl erste Auseinandersetzung mit dem Thema des Marxismus findet sich in der in den Jahren 1917/18 entstandenen Politischen Romantik, erschienen 1919, in der er sich mit Karl Marx‘ Kritik an der Romantik (Karl Marx: Die heilige Familie, Frankfurt am Main 1845) beschäftigt[2]. Sein nächstes Werk Die Diktatur ist im Schatten der bolschewistischen Oktoberrevolution verfasst. Intensiv setzt sich Schmitt in den Vorbemerkungen zur ersten Auflage mit dem Wesen der proletarischen Revolution sowie der Diktatur des Proletariats auseinander. Schmitt sieht in der Revolution Lenins die Geburtsstunde eines neuen Staates. Aus der hegel‘schen Philosophie, meint Schmitt, ergebe sich kein klarer Begriff der Diktatur.

„Umso interessanter“, so Schmitt, „ist die Auffassung, die katholische Staatsphilosophen wie Donoso Cortés von der Diktatur haben, weil sie […] im modernen Staat, der in seinem Kern nach als Diktatur erscheint, ein Werk des Rationalismus sehen, der freilich selbst nur durch Diktatur überwunden werden kann. Dadurch treffen jene Katholiken in Einzelheiten der Argumentation mit den Anhörungen einer Diktatur des Proletariats zusammen […]“ Noch im Vorwort zur 4. Auflage im Februar 1978 – nach dem Deutschen Herbst 1977 – verweist Schmitt als Neunzigjähriger auf die Aktualität der Darstellung auf die „seit 1969 gesteigerten Bemühungen um das Problem der Ausnahmesituation im Recht…“[3]

Dieser Gedanke wird in Politische Theologie im Kapitel Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution[4] fortgesetzt. In diesem 1922 publizierten Text reflektiert Schmitt auf Marx und setzt sich mit der Frage der Gegenrevolution auseinander „Erst Bakunin“, so Schmitt, „gibt dem Kampf gegen die Theologie die ganze Konsequenz eines absoluten Naturalismus. Zwar will auch er den „Satan verbreiten“, doch hält er (sc. Bakunin) das im Gegensatz zu Karl Marx, der jede Art Religion verachtet, „für die einzige wirkliche Revolution.[5]


III. Zwischenschritte

Der Tagebuchschreiber Schmitt vermerkt für den 06.07.1922: „Es sieht so schrecklich aus in Deutschland, immer Fluchtpläne, der Bürgerkrieg steht bevor, das Land ist unrettbar verloren.“ Und am 28.05.1923: „Inzwischen geht Deutschland unter. Garstiges Gefühl des Erdbebens. Der Bolschewismus wird wieder zum Gespenst.[6]

In Römischer Katholizismus und politische Form, erschienen 1923, geht Schmitt auf das proletarische Rätesystem ein und meint: „Imponierend ist die geistige Konsequenz des Antigeistigen, mit der in der Springflut des Sozialismus junge Bolschewisten aus dem Kampf für das ökonomisch technische Denken einen Kampf gegen die Idee machen, gegen jede Idee überhaupt. Solange nämlich ein Rest von der Idee besteht, herrscht auch die Vorstellung, dass vor der gegebenen Wirklichkeit des Materiellen etwas präexistent ist – […] die nicht in der proletarischen Formlosigkeit bleibt.[7]

In seiner Schrift Volksentscheid und Volksbegehren, basierend auf einem Vortrag vom 11.11.1926, geht Schmitt auf die Radikalität des Anarchisten Bakunin erneut ein: „Die Methoden moderner unmittelbarer Demokratie werden – von den konservativen und monarchistischen Gegnern abgesehen – hauptsächlich von zwei ganz verschiedenen politischen Einstellungen aus bekämpft. Auf der einen Seite sind es radikale Anarchisten, vor allem Bakunin, der größte unter ihnen, die das Referendum als Fälschung des Volkswillens bezeichnen, ihr Motiv ist der anarchistische Stoß gegen jede Art von Magistratur.[8]

In seiner wohl bekanntesten, begrifflich prägenden Schrift Der Begriff des Politischen arbeitet sich Carl Schmitt an der von Karl Marx formulierten Antithese von Bourgeoisie und Proletariat als Ausdruck der „Freund-Feind Gruppierung“ ab.[9] Im Jahr 1937, dem Todesjahr Antonio Gramscis, beginnt Schmitt mit seiner Arbeit an Der Leviathan in der Staatsrechtslehre des Thomas Hobbes, die er 1938 beendet, worin er sich mit dem Wesen und der Funktion des Staates auseinandersetzt.


IV. Zeitenwende

Das Wesen der Revolution, in welcher der Freund zum Feind und sohin zum Verräter an der Revolution wird, findet sich im Gespräch über die Macht wieder: „J.: Aber der Mensch! Wo bleibt der Mensch? C.S.: Alles was ein Mensch – mit oder ohne Macht – denkt oder tut, geht über den Korridor des menschlichen Bewusstseins und ist Ausdruck menschlich-individuellen Vermögens. J.: Dann ist der Mensch dem Menschen ein Mensch! C.S.: Das ist er auch. Allerdings immer nur ganz konkret. Das bedeutet zum Beispiel: der Mensch Stalin ist dem Mensch Trotzki ein Stalin und der Mensch Trotzki ist dem Menschen Stalin ein Trotzki.[10]

In Tyrannei der Werte, entstanden aus einem Diskussionsbeitrag vom 23.10.1959, setzt sich Carl Schmitt mit dem Problem des ökonomischen Wertbegriffs[11] auseinander. „Wirtschaft, Markt und Börse sind auf diese Weise der Boden all dessen geworden, was man spezifisch einen Wert nennt. Auf diesem ökonomischen Boden gelten alle noch so hohen außerökonomischen „Werte“ nur als ein Überbau, der vom Gesetz des Bodens erfasst wird. Das ist nicht Marxismus, sondern nur eine Wirklichkeit, an die der Marxismus mit Erfolg anknüpfen kann.

In seiner im Herbst seines Lebens im Jahr 1963[12] verfassten letzten größeren Schrift Theorie des Partisanen – Zwischenbemerkungen zum Begriff des Politischen setzt sich Schmitt mit dem Wesen des Partisanen und erneut mit Lenin auseinander: „Lenins Aufsatz über den Partisanen betrifft die Taktik des sozialistischen Bürgerkriegs und wendet sich gegen die damals bei den Sozialdemokraten verbreitete Meinung, die proletarische Revolution werde als eine Massenbewegung in parlamentarischen Ländern ihr Ziel von selbst erreichen, sodass die Methode der direkten Gewaltanwendung veraltet sei.[13]

Diese Schrift gewinnt angesichts der bipolaren Weltlage und der Erosionsfelder an Aktualität. Joachim Schickel führte mit Carl Schmitt am 22.05.1969 im Norddeutschen Rundfunk ein Gespräch über den Partisanen.[14] C.S.: „Erst Lenin hat es begriffen. Die Preußen selber haben es nicht verwirklicht und die Sprengung dieses existenziellen Rahmens, die Entfesselung des Partisanen konnte kein Berufsoffizier besorgen, dies konnte nur ein Berufsrevolutionär wie Lenin.“


V. Abschiednahme

In seinem letzten Aufsatz aus dem Jahr 1978 Die legale Weltrevolution – politischer Mehrwert als Prämie auf pluralistische Legalität und Superlegalität[15] geht Carl Schmitt noch einmal auf das Thema ein: „[…] wollte bewusst der Anfang einer Weltrevolution sein. Sie beseitigte die Verfassungen des zaristischen Reiches und die des Kerenski […] sie errichte eine Diktatur des Proletariats. Das war illegal unter dem Gesichtspunkt russisch staatlicher Norm […] hier wurde also eine innerstaatliche Revolution in den Horizont einer Weltrevolution „englobiert“. […] Die Legalität einer Weltrevolution bleibt eine Frage der Pluralität einzelstaatlicher Legalität.[16]

In einer seiner letzten Anmerkungen – Nachbemerkung vom 10.04.1981 zu Land und Meer – eine weltgeschichtliche Betrachtung überlässt es Schmitt „dem aufmerksamen Leser, in meinen Ausführungen den Anfang eines Versuches zu finden, diesen § 247 [Anm.: gemeint Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts] in ähnlicher Weise zur Entfaltung zu bringen, wie in den §§ 243-246 im Marxismus zur Entfaltung gebracht worden sind.[17]


VI. Schlussstrich

Wenn die Kritik an der Demokratie im frühen 20. Jahrhundert in zwei Personen gebündelt werden müsste, dann wären dies wohl Lenin und Schmitt. Lenin zerlegt die liberale Demokratie mit eiskalter Schärfe in seinen einzelnen Schriften und war darüber hinaus ein Mann der Tat, ein glänzender Redner und Organisator. Insofern reicht Schmitt nicht an Lenin und seine in der russischen Oktoberrevolution gründende Wirkung heran. Allerdings war Schmitt mit seinen Schriften überlegen – er formulierte in schneidender Schärfe, argumentierte brillant und mit einer Suggestivität, die Widerspruch nicht leicht machte. Für Bernd Rabehl zeigt das Werk Lenins und Schmitts eine gewisse Parallelität. Lenin setzt sich für eine zentrale Macht, eine Diktatur und einen Planstaat ein, Schmitt begründet als katholischer „Konterrevolutionär“ den Ausnahmestaat.[18]

Am Ende hat er sie alle überlebt. Den Fall des als Ausfluss der Oktoberrevolution gezogenen Trennungsstrichs der Berliner Mauer – der sichtbaren Unterscheidung in Freund und Feind – hat er nicht mehr erlebt.

 

Fußnoten:

[1] vgl. C. S., Die Militärzeit 1915 bis 1919, 259-261, Dokument 20 und 21.

[2] vgl. Politische Romantik6 28 Fn 11.

[3] vgl. Die Diktatur4

[4] vgl. Politische Theologie9 59ff.

[5] vgl. Politische Theologie9 68.

[6] vgl. Der Schatten Gottes. Introspektionen. Tagebücher und Briefe 1021-1924 (2014).

[7] vgl. Römischer Katholizismus und politische Form5 2008, 74/45.

[8] vgl. Volksentscheid und Volksbegehren (2014) 76.

[9] vgl. Der Begriff des Politischen, Ersterscheinung6, Text von 1932, 73ff.

[10] vgl. Gespräch über die Macht (2008) 56.

[11] vgl. Die Tyrannei der Werte3 (2011) 14.

[12] Im Februar 1959 veröffentlichte Ernesto Rafael Guevara de la Serna, genannt Che Guevara, den Aufsatz Was ist ein Guerillo?, 1962 erschien sein Buch Der Partisanenkrieg, im selben Jahr hält Carl Schmitt seine beiden Vorträge über den Partisanen.

[13] vgl. Theorie des Partisanen, Nachdruck der 1. Auflage von 1963, 49.

[14] Erschienen in Staat, Großraum, Nomos. Arbeiten aus den Jahren 1916 – 1969, 1995, 619ff. insbesondere 629.

[15] Erschienen in Frieden und Pazifismus. Arbeiten zum Völkerrecht und zur internationalen Politik 1924-1978, 925ff.

[16] vgl. loc.cit.

[17] vgl. Land und Meer 6 2006, nach 107.

[18] vgl. B. Rabehl, Der Tod des „Behemoth“:  https://rabehl.wordpress.com/2011/11/17/der-tod-des-behemoth/.

Feuilleton

Ein Wahlkampf in Böhmen und der Dreißigjährige Krieg

Von Lothar Höbelt

2018 jährt sich der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges zum 400. Mal. Univ.-Prof. Dr. Lothar Höbelt beleuchtet für uns diese Auseinandersetzung der europäischen Großmächte, die oft als ein Kampf zwischen Konfessionen missgedeutet wurde. Dabei kann schon das Jahr 1617 mit einem Ereignis aufwarten, das in der Vorgeschichte des Dreißigjährigen Krieges eine entscheidende Rolle spielt: nämlich die Wahl des steirischen Erzherzogs Ferdinand zum König von Böhmen. Was war bei dieser Wahl geschehen?

Die Ausgangsposition: Böhmen und Ungarn waren nach dem Tod des letzten Jagellonen in der Schlacht bei Mohács 1526 an die Habsburger gekommen. Da gab es entsprechende Absprachen und Erbverträge. Der Adel, die „Stände“ beider Länder, freilich hielt an der Fiktion fest, es handle sich auch weiterhin um Wahlkönigreiche. Die Habsburger akzeptierten diesen Anspruch nicht so wirklich, aber sie machten den Ständen die Freude und taten in Hinkunft zumindest so, als ob sie sich wählen ließen. Am liebsten ließ sich der Sohn da schon zu Lebzeiten des Vaters wählen, da war das Risiko geringer, dass die Stände auf irgendwelche subversiven Ideen kamen.

Nun hatten Rudolf II. (1576-1612) und sein Bruder Matthias (1612-19), bekannt durch Franz Grillparzers Bruderzwist in Habsburg, bekanntlich keine Söhne. „Thronfolger“ war deshalb ihr Cousin Ferdinand, der Regent von „Innerösterreich“. Nun eilte Ferdinand allerdings ein wohlverdienter Ruf als engagierter Verfechter der Gegenreformation voraus. Die böhmischen Stände aber waren ganz überwiegend protestantisch. Da musste man mit gewissen Schwierigkeiten rechnen.

Die Manager des Erzhauses verfielen deshalb auf einen Geschäftsordnungstrick, um die Wahl ohne viel Federlesen durchzuziehen. Die Wahl Ferdinands wurde den Ständen nämlich nicht als Gesetzesvorlage präsentiert, um dann in camera caritatis beraten und vielleicht mit gewissen Gegenforderungen beantwortet zu werden. Nein, die einzelnen Mitglieder des Landtags wurden in einer Überrumpelungstaktik einfach öffentlich abgefragt, ob sie die Wahl Ferdinands akzeptierten. Das kam einem der berüchtigten Angebote, die man nicht ablehnen kann, verdächtig nahe. Nicht mehr als vier Abgeordnete trauten sich da, nein zu sagen.

Ein Religionskrieg?

Die Stände mussten zwar zähneknirschend vorerst das Wahlergebnis akzeptieren, aber sie sannen auf Revanche. Wenn sie im nächsten Jahr den Aufstand probten, dann weniger um der Kirchen willen, die zwischen Protestanten und Katholiken umstritten waren (eine davon in Braunau, wohlgemerkt: dem böhmischen Braunau an der schlesischen Grenze), sondern um die Wahl Ferdinands womöglich rückgängig zu machen.

Freilich, auch dieser Aufstand, der nach „landesüblicher Sitte“ mit dem Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618 begann, war nicht mit den Schüssen von Sarajevo zu vergleichen, die binnen sechs Wochen dazu führten, dass in Europa die Lichter verloschen. Was 1618 begann, war kein Weltkrieg – und auch kein Religionskrieg. Die protestantische Union im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation hielt sich da fein säuberlich heraus. Rebellen zu unterstützen kam ihnen nicht in den Sinn. Im Gegenteil: Das Heimatland Luthers, Sachsen, unterstützte offen den Kaiser.

Die Religion spielte allerdings eine wichtige Rolle als Schwungrad der Rebellion: Es gab in Böhmen eine kleine protestantische „Aktionspartei“ um den Grafen Thurn (mit Verbindungen nach Oberösterreich über den Freiherrn von Tschernembl in Schwertberg) und eine kleine katholische Hofpartei um die Martinitz und Slawata (die Opfer des Fenstersturzes, die mirakulöserweise weich landeten). Normalerweise wäre der Adel das Risiko einer Rebellion nicht so leicht eingegangen. Aber vor die Wahl gestellt, entschied er sich im Zweifelsfall für die Sache der Glaubensgenossen, sprich: für Thurn und die Protestanten.

Im Hintergrund aber stand das Ringen der beiden Supermächte der Zeit, zwischen Frankreich und dem Hause Habsburg mit seinem Schwerpunkt in Spanien. Bekanntlich waren beide katholisch – was sie von Bündnissen mit den Protestanten keineswegs abhielt. Der Krieg wurde über ein Dutzend Jahre mühsam am Leben erhalten durch Infusionen von außen. Die böhmische Rebellion war nach zwei Jahren niedergeschlagen, nur ein paar ihrer Söldnerheere irrten weiterhin plündernd durch Deutschland, ausgehalten von den Gegnern Habsburgs. Die Franzosen hielten sich zurück und beschränkten sich vorerst auf Stellvertreterkriege.

Die Eskalation

Erst 1630 kam den Franzosen ein Glückstreffer zu Hilfe: König Gustav Adolf von Schweden landete 1630 in Deutschland, just zu dem Zeitpunkt, als der Kaiser seinen Feldherren Wallenstein entließ, der ihm unheimlich geworden war. Für ein paar Jahre nahm der Krieg jetzt tatsächlich die Gestalt eines Religionskrieges an: Fast alle protestantischen Fürsten des Reiches kämpften auf der einen, fast alle katholischen Fürsten auf der anderen Seite.

Doch der zurückgeholte Wallenstein wollte die deutschen Protestanten zu sich herüberziehen – und die Spanier empfahlen ihren Wiener Vettern das gleiche. Wallenstein wurde 1634 in Eger ermordet (der Kaiser ersparte sich da Millionen, die er ihm noch schuldete), aber sein Programm setzte sich durch. Ein paar Jahre später wurden schon ausdrücklich protestantische Armeen für den Kaiser geworben.

Der Dreißigjährige Krieg mutierte 1635, erst nach der Halbzeit, tatsächlich zum Weltkrieg – zu einem Weltkrieg, der auch dann noch weiterging, als in Deutschland 1648 der Westfälische Friede zustande kam. Erst 1659 kam auch der Friede zwischen den Supermächten Frankreich und Spanien zustande, der sogenannte Pyrenäenfriede (unterzeichnet auf einem Floß im Grenzfluss zwischen beiden Ländern). Die Habsburger hatten das Ringen um die Vormachtstellung in Europa verloren. Die nächste Generation stand im Zeichen des „Sonnenkönigs“ Ludwigs XIV. und der Bourbonen, die den Habsburgern schließlich auch die spanische Erbschaft abjagen sollten.

Bloß in Böhmen war als Trostpreis für die Habsburger zu verzeichnen: Die Rebellen kehrten nicht zurück, Wahlen gab es dort in Hinkunft keine mehr. Auch Böhmen zählte jetzt eindeutig zu den „Erbländern“.


Dr. Lothar Höbelt ist außerordentlicher Professor für Neuere Geschichte an der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte reichen von der Polit- und Verfassungsgeschichte der Habsburger-Monarchie bis zur I. und II. Republik. Daneben gilt er als ausgewiesener Experte für das die Geschichte des Nationalliberalismus bzw. des sogenannten „Dritten Lagers“.

Pro&Contra

Frauen beim Heer?

JA!

Von Nicole di Bernardo

Frauen vereinen in sich vielerlei Fähigkeiten, die beim Dienst an der Waffe von Vorteil sind. Dies beweisen schon die so unterschiedlichen Herausforderungen, die etwa berufstätige Mütter meistern müssen. Der stressige Alltag zwischen Familie und Arbeit zeigt ihre hohe Belastbarkeit: Frauen erledigen vielfältige Aufgaben, ohne in Hektik zu geraten, und bewahren dabei einen kühlen Kopf. Dabei bringen sie Termine über Termine unter einen Hut, was für Disziplin und Pünktlichkeit spricht. Tugenden, die beim Heer gebraucht werden.

Zugleich ist es oft erforderlich, schwierige Entscheidungen für andere zu treffen und zu tragen: nämlich für seine Kinder. Mütter schaffen das mit einem hohen Maß an Verantwortung, aber auch mit Empathie – ebenfalls Eigenschaften, die gerade in führenden militärischen Positionen wichtig sind. Auch die Ausarbeitung von Problemlösungs-Strategien, logisches Denken und logistische Organisation sind Fähigkeiten, die das weibliche Geschlecht oft vorrangig auszeichnen. Denn es kann kaum eine anspruchsvollere Aufgabe geben, als manch Göttergatten zur Mithilfe im Haushalt zu bewegen oder die bockenden Kinder dazu zu bringen, endlich ihre Zimmer aufzuräumen.

Doch auch dies schaffen Frauen und beweisen damit alltäglich, dass sie das nötige Durchsetzungsvermögen für die militärische Laufbahn haben. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis sie auch dieses von Männern entwickelte System dominieren werden – und ihr Wirken von Erfolg gekrönt sein wird. Die Zahl der Verteidigungsministerinnen – von der schwedischen Marineoffizierin Karin Entsröm bis zu der noch sowjetisch ausgebildeten Südafrikanerin Nosiviwe Mapisa-Nqakula – sprechen eine klare Sprache.

 

NAJA…

Von Jörg Mayer

Kennen Sie Or Ben-Yehuda? Der Hauptmann der Israelischen Streitkräfte geriet 2016 kurz vor Weihnachten in einen terroristischen Hinterhalt nahe der ägyptischen Grenze. Obwohl selbst angeschossen, versorgte er seinen verwundeten Fahrer und erwiderte das Feuer, bis rettender Entsatz eintraf – wofür er mit der israelischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet wurde. Was das mit dem Thema zu tun hat? Der „Hauptmann“ ist eine Frau, deren Mutter selbst schon im Jom-Kippur-Krieg dekoriert wurde.

Nein, es gibt wahrscheinlich keine vernünftigen Gründe mehr, Frauen den Eintritt in eine Armee zu verwehren, und Israel ist das beste Beispiel dafür, wie selbstverständlich der Dienst an der Waffe sein kann – inklusive Frauen-Wehrpflicht. Die Soldatinnen haben sogar eine eigene Facebook-Fanpage: IDFWomenOfIsrael.

Nun muss man nicht Ulrich von Liechtenstein sein, um die Idee, in einem Kampfeinsatz auf Frauen zu schießen, trotzdem als Zivilisationsbruch zu empfinden, der die alte Vorstellung von Ritterlichkeit im Krieg endgültig begräbt. Freilich, Rollenbilder sind passé. Trotzdem wird es nicht zuvorderst ein Akt der Emanzipation sein, wenn hierzulande einmal auch Frauen eingezogen werden. Passieren wird es erst, wenn die geopolitische Lage so unsicher geworden ist, dass die Bewaffnung von Frauen ein sicherheitspolitisches Gebot ist. Wollen wir hoffen, dass dieser Tag noch sehr fern ist – und das Bundesheer somit noch eine Weile ganz männerdominiert bleibt!

Analysen

Das wahre Maß des Terrors

Von Jörg Mayer

Der islamistische Terror gehört zur Gegenwart, doch für den Einzelnen scheint es unmöglich, aus den wenig repräsentativen Einblicken, die ihm Zeitungen und Fernsehen gewähren, ein angemessenes Bild der Realität abzuleiten. Während die einen im Terrorismus das Substrat eines ausbrechenden Kulturkampfs erkennen, ist er für die anderen ein durch mediale Aufmerksamkeit befördertes Phänomen. Im Folgenden sind die größeren islamistisch motivierten Terrorangriffe mit Toten seit dem 11. September 2001 bis zum Beginn dieses Jahres aufgeführt, um einen Überblick über die Taten zu ermöglichen, die vom Islamischen Staat, Al-Shabab, Al-Kaida, Taliban, Boko Haram und ihren Nachahmern in den letzten Jahren begangen wurden. Nur der Blick auf die Fakten kann den Einzelnen in die Lage versetzen, für sich zu beurteilen, ob die Angst vor dem Terrorismus übertrieben oder untertrieben wird – und in welchem tatsächlichen Maß sie gerechtfertigt ist und daher unser politisches Handeln leiten sollte.

Islamistische Terroranschläge mit Toten von 2001-2016:

  • Nacht auf den 1. Januar 2017, Türkei, Schusswaffen-Massaker in Nachtclub in Istanbul, 39 Tote, 40 Verletzte
  • 19. Dezember 2016, Deutschland, LKW-Amokfahrt am Berliner Weihnachtsmarkt, 12 Tote, 56 Verletzte
  • 19. Dezember 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag auf Markt in Kundus, 1 Toter, 22 Verletzte
  • 19. Dezember 2016, Türkei, Mord am Russischen Botschafter, 1 Toter
  • 17. Dezember 2016, Jemen, Sprengstoffanschlag auf Soldaten in Aden, 49 Tote, Dutzende Verletzte
  • 11. Dezember 2016, Ägypten, Sprengstoffanschlag auf Kirche St. Peter und Paul in Kairo, 22 Tote, 35 Verletzte
  • 26. November 2016, Somalia, Autobombe auf Markt in Mogadischu, 11 Tote, 16 Verletzte
  • 25. November 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag in Jalalabad, 6 Tote, 27 Verletzte
  • 24. November 2016, Irak, Autobombe auf iranische Pilger in Hillah, rund 100 Tote, 50 Verletzte
  • 22. November 2016, Pakistan, Anschlagsserie in Peshawar und Chaman, 4 Tote, 8 Verletzte
  • 21. November 2016, Afghanistan, Anschlagsserie auf schiitische Feier in Kabul, 27 Tote, 35 Verletzte
  • 21. November 2016, Libyen, Autobombe in Benghazi, 3 Tote, 20 Verletzte
  • 18. November 2016, Irak, Autobombe auf Hochzeit in Amiriyat Al-Fallujah, 40 Tote, 60 Verletzte
  • 16. November 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag auf afghanische Spezialeinheiten in Kabul, 4 Tote, 11 Verletzte
  • 14. November 2016, Irak, Anschlagsserie in Karbala, 6 Tote
  • 12. November 2016, Indonesien, Sprengstoffanschlag auf Kirche in Samarinda, 1 Toter, 3 Verletzte
  • 12. November 2016, Pakistan Sprengstoffanschlag auf Shah-Noorani-Schrein, 55 Tote, über 100 Verletzte
  • 12. November 2016, Afghanistan, Sprenstoffanschlag auf US-Luftwaffenstützpunkt in Provinz Parwan, 4 Tote, 18 Verletzte
  • 10. November 2016, Afghanistan, Autobombe und Schusswaffen-Massaker im Deutschen Generalkonsulat in Mazar-e-Sharif, 8 Tote, 120 Verletzte
  • 6. November 2016, Irak, Autobomben in Tikrit und Samarra, 29 Tote, 35 Verletzte
  • 5. November 2016, Irak, Sprengstoffanschlag auf Flüchtlingskonvoi in Hawidscha, 26 Tote
  • 4. November 2016, Afghanistan, Granatbeschuss auf Hochzeit in Provinz Faryab, 12 Tote, 30 Verletzte
  • 4. November 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag auf Polizeigebäude in Diyarbakir, 9 Tote, 30 Verletzte
  • November 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag in der Provinz Parwan, 7 Tote
  • November 2016, Nigeria, Autobombe auf militärischen Außenposten in Gubio, 9 Tote
  • 29. Oktober 2016, Nigeria, Sprengstoffanschlag auf Flüchtlingslager in Maiduguri, 9 Tote, 20 Verletzte
  • 25. Oktober 2016, Kenia, Sprengstoffanschlag und Schusswaffen-Massaker in Hotel in Mandera, 12 Tote
  • 25. Oktober 2016, Pakistan, Sprengstoffanschlag und Schusswaffen-Massaker im Schlafsaal von Polizeischule in Quetta, 60 Tote, 120 Verletzte
  • 16. Oktober 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag auf Razzia in Gaziantep, 3 Tote, 8 Verletzte
  • 15. Oktober 2016, Irak, Sprengstoffanschlag auf Trauerfeier in Bagdad, 34 Tote, 35 Verletzte
  • 9. Oktober 2016, Israel, Schusswaffen-Massaker in Mourabitoun, 2 Tote 6 Verletzte
  • 6. Oktober 2016, Syrien, Sprengstoffanschlag in Atmah, 29 Tote, 20 Verletzte
  • 5. Oktober 2016, Nigeria, Sprengstoffanschlag in Moschee in Maiduguri, 22 Tote, 42 Verletzte
  • 22. September 2016, Syrien, Autobombe gegen Minister in Provinz Daraa, 12 Tote, Dutzende Verletzte
  • 6. September 2016, Irak, Autobombe in Geschäftsviertel, 19 Tote, 30 Verletzte
  • 5. September 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag auf Gericht in Kabul, 24 tote, 90 Verletzte
  • 5. September 2016, Syrien, Anschlagsserie auf kurdischen Kontrollposten und Brücke, 48 Tote, Dutzende Verletzte
  • 2. September 2016, Pakistan, Schusswaffen- und Granatenbeschuss einer christlichen Siedlung, 18 Tote, 30 Verletzte
  • 30. August 2016, Somalia, Sprengstoffanschlag auf Hotel in Mogadischu, 26 Tote, 50 Verletzte
  • 29. August 2016, Jemen, Autobombe gegen Armeerekruten in Aden, 45 Tote, 30 Verletzte
  • 26. August 2016, Somalia, Schusswaffen-Massaker in Strandlokal in Mogadischu, 10 Tote, 15 Verletzte
  • 24. August 2016, Afghanistan, Schusswaffen-Massaker an US-Universität, 17 Tote, 37 Verletzte
  • 20. August 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag auf Kurdische Hochzeit in Gaziantep, 54 Tote, 66 Verletzte
  • 14. August 2016, Syrien, Sprengstoffanschlag in Atmeh, 32 Tote, mind. 50 Verletzte
  • 8. August 2016, Pakistan, Sprengstoffanschlag auf Klinik in Quetta, 71 Tote, mind. 200 Verletzte
  • 2. August 2016, Sprengstoffanschlag auf Soldaten in Bengasi, 22 Tote, mind. 20 Verletzte
  • 27. Juli 2016, Syrien, Sprengstoffanschlag auf Sicherheitsbeamte in Kamischli, 55 Tote, mind. 180 Verletzte
  • 26. Juli 2016, Messerangriff auf Priester in Saint-Étienne-du-Rouvray, 1 Toter, 1 Verletzter
  • 26. Juli 2016, Somalia, Sprengstoffanschlag am Flughafen Mogadischu, mind. 14 Tote
  • 25. Juli 2016, Irak, Sprengstoffanschlag auf Kontrollpunkt in Bagdad, mind. 18 Tote, mind. 30 Verletzte
  • 23. Juli 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag auf Demonstrationsteilnehmer der Hazara-Minderheit, mind. 80 Tote, mind. 231 Verletzte
  • 14. Juli 2016, Frankreich, LKW-Amokfahrt und Schusswaffen-Massaker auf Strandpromenade in Nizza, mind. 84 Tote, mind. 303 Verletzte
  • 12. Juli 2016, Irak, Sprengstoffanschlag auf Marktbesucher in Bagdad, 13 Tote 20 Verletzt
  • 8. Juli 2016, Irak, Schusswaffen-Massaker an Pilgerstätte, mind. 30 Tote, mind. 70 Verletzte
  • 3. Juli 2016, Irak, Sprengstoffanschlag in Bagdad, mind. 292 Tote, mind. 300 Verletzte
  • Juli 2016, Bangladesch, Geiselnahme von Restaurantbesuchern in Dhaka, 22 Tote
  • 30. Juni 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag auf Polizeikonvoi in Kabul, mind. 30 Tote, mind. 40 Verletzte
  • 28. Juni 2016, Türkei, Schusswaffen-Massaker und Sprengstoffanschläge am Flughafen Istanbul-Atatürk, 45 Tote, 239 Verletzte
  • 25. Juni 2016, Somalia, Sprengstoffanschlag auf Hotel in Mogadischu, 14 Tote
  • 21. Juni 2016, Jordanien, Sprengstoffanschlag auf Militär, 6 Tote, 14 Verletzte
  • 20. Juni 2016, Afghanistan, Anschlagsserie auf Wachpersonal, 24 Tote, 43 Verletzte
  • 13. Juni 2016, Frankreich, Messerangriff auf Polizisten in Magnanville, 2 Tote
  • 12. Juni 2016, USA, Schusswaffen-Massaker in Homosexuellen-Nachtclub in Orlando, 49 Tote, 53 Verletzte
  • 11. Juni 2016, Syrien, Sprengstoffanschlag am Schrein Zainab bint Alis, mind. 20 Tote
  • 9. Juni 2016, Irak, Sprengstoffanschlag in Bagdad, 15 Tote, mind. 50 Verletzte
  • 8. Juni 2016, Israel, Schusswaffen-Massaker in Tel Aviv, 4 Tote, 19 Verletzte
  • 5. Juni 2016, Kasachstan, Schusswaffen-Massaker in Aqtöbe, 7 Tote, mind. 40 Verletzte
  • Juni 2016, Somalia, Sprengstoffanschlag auf das Somali Youth League Hotel, mind. 20 Tote
  • 30. Mai 2016, Irak, Anschlagsserie, mind. 20 Tote, mind. 50 Verletze
  • 25. Mai 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag in Kabul, 10 Tote, 4 Verletzte
  • 23. Mai 2016, Syrien, Anschlagsserie, mind. 150 Tote, mind. 200 Verletzte
  • 17. Mai 2016, Irak, Anschlagsserie, mind. 70 Tote, mind. 150 Verletzte
  • 15. Mai 2016, Jemen, Anschlagsserie auf Polizisten, 31 Tote, mind. 60 Verletzte
  • 15. Mai 2016, Irak, Sprengstoffanschlag auf Gasfabrik in Tadschi, 11 Tote, 14 Verletzte
  • 11. Mai 2016, Irak, Anschlagsserie, mind. 86 Tote, mind. 120 Verletzte
  • 30. April 2016, Irak, Sprengstoffanschlag in Bagdad, mind. 14 Tote, etwa 40 Verletzte
  • 19. April 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag in Kabul, mind. 64 Tote, mind. 340 Verletzte
  • 4. April 2016, Irak, Anschlagsserie, mind. 20 Tote, mind. 70 Verletzte
  • 31. März 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag auf Polizeibeamte in Diyarbakir, 7 Tote, 23 Verletzte
  • 27. März 2016, Pakistan, Sprengstoffanschlag in Lahore Park, mind. 70 Tote, mind. 300 Verletzte
  • 25. März 2016, Irak, Sprengstoffanschlag nach Fußballspiel, mind. 40 Tote, mind. 105 Verletzte
  • 22. März 2016, Belgien, Sprengstoffanschläge auf Flughafen und Metrostation in Brüssel, 38 Tote, mind. 340 Verletzte
  • 19. März 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag in Istanbul, 5 Tote, 36 Verletzte
  • 13. März 2016, Elfenbeinküste, Schusswaffen-Massaker in Strandhotel in Grand-Bassam, mind. 18 Tote, mind. 33 Verletzte
  • 8./9. März 2016 Israel, Messerangriffe in Tel Aviv und Jerusalem, 2 Tote, 26 Verletzte
  • 4. März 2016, Jemen, Schusswaffen-Massaker in Altenheim in Aden, 16 Tote
  • 21. Januar 2016, Sprengstoffanschlag in Kairo, 6 Tote, mind. 20 Verletzte
  • 21. Januar 2016, Somalia, Sprengstoffanschlag und Schusswaffen-Massaker in Strandhotel in Mogadischu, 20 Tote, mind. 35 Verletzte
  • 20. Januar 2016, Pakistan, Schusswaffen-Massaker an Universität, 19 Tote, mind. 50 Verletzte
  • 16. Januar 2016, Burkina Faso, Geiselnahme in Hotel, 28 Tote, 56 Verletzte
  • 14./15. Januar 2016, Somalia, Schusswaffen-Massaker an Flughafen u.a., 51 Tote
  • 14. Januar 2016, Indonesien, Sprengstoffanschlag und Schusswaffen-Massaker in Einkaufszentrum in Jakarta, 7 Tote, mind. 10 Verletzte
  • 12. Januar 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag auf dem Sultan-Ahmed-Platz, 12 Tote, 13 Verletzte
  • Januar 2016, Indien, Sprengstoffanschlag auf Pathankot Air Force Station, 7 Tote
  • Januar 2016, Israel, Morde in Café in Tel Aviv, 2 Tote, 7 Verletzte
  • Dezember 2015, USA, Schusswaffen-Massaker in San Bernardino, 14 Tote, 21 Verletzte
  • 20. November 2015, Mali, Geiselnahme im Radisson Blu Hotel in Bamako, 19 Tote, 9 Verletzte
  • 13. November 2015, Frankreich, Sprengstoffanschläge und Schusswaffen-Massaker in Paris, 130 Tote, 352 Verletzte
  • 13. November 2015, Irak, Sprengstoffanschlag in Bagdad, 18 Tote, 41 Verletzte
  • 12. November 2015, Libanon, Sprengstoffanschlag auf Moschee in Beirut, 43 Tote, 239 Verletzte
  • 31. Oktober 2015 Ägypten, Sprengstoffanschlag auf russischen Passagierjet, 224 Tote
  • 10. Oktober 2015, Türkei, Sprengstoffanschlag auf Demonstration in Ankara 2015, 102 Tote, mind. 500 Verletzte
  • 13. August 2015, Irak, Sprengstoffanschlag in Bagdad, 76 Tote
  • 20. Juli 2015, Türkei, Sprengstoffanschlag in Suruç, 34 Tote, mind. 76 Verletzte
  • 17. Juli 2015, Nigeria, Sprengstoffanschlag in Gombe, 49 Tote
  • 10. Juli 2015, Somalia, Sprengstoffanschlag in Mogadischu, 22 Tote, 20 Verletzte
  • 26. Juni 2015, Somalia, Sprengstoffanschlag in Leego, mind. 50 mind. Tote
  • 26. Juni 2015, Kuwait, Sprengstoffanschlag auf die Imam-Dschaʿfar-as-Sādiq-Moschee, 26 Tote, 227 Verletzte
  • 26. Juni 2015, Tunesien, Schusswaffen-Massaker und Sprengstoffanschlag in Port El-Kantaoui, 39 Tote, 39 Verletzte
  • 20. Juni 2015, Österreich, PKW-Amokfahrt in Graz, 3 Tote, 36 Verletzte
  • April 2015, Kenia, Schusswaffen-Massaker am Garissa University College, 148  Tote
  • 18. März 2015, Tunesien, Schusswaffen-Massaker in Tunis, 27 Tote, 50 Verletzte
  • 7. Januar 2015, Frankreich, Schusswaffen-Massaker in Redaktion von Charlie Hebdo, 12 Tote
  • 16. Dezember 2014, Pakistan, Schusswaffen-Massaker an Schule in Peschawar, 148  Tote
  • 18. November 2014, Israel, Schusswaffen-Massaker in Synagoge in Jerusalem, 5 Tote, 8 Verletzte
  • 24. Mai 2014, Belgien, Morde im Jüdischen Museum, 4 Tote
  • 29. Dezember 2013, Russland, Sprengstoffanschlag im Bahnhof Wolgograd, mind. 16 Tote
  • 21. September 2013, Kenia, Schusswaffen-Massaker im Westgate-Einkaufszentrum, 67 Tote, mind. 150 Verletzte
  • 15. April 2013, USA, Sprengstoffanschlag auf den Boston-Marathon, 3 Tote, mind. 100 Verletzte
  • 28. April 2011, Marokko, Sprengstoffanschlag in Marrakesch, 17 Tote
  • 11. April 2011, Weißrussland, Sprengstoffanschlag auf U-Bahn-Station in Minsk, 15 Tote
  • März 2011, Deutschland, Morde an US-Soldaten am Frankfurter Flughafen, 2 Tote, 2 Verletzte
  • 24. Januar 2011, Russland, Sprengstoffanschlag am Flughafen Moskau-Domodedowo, 36 Tote, 152 Verletzte
  • 31. Oktober 2010, Irak, Sprengstoffanschlag auf die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale in Bagdad, 68 Tote, mind. 60 Verletzte
  • 28. Mai 2010, Pakistan, Schusswaffen-Massaker und Sprengstoffanschlag in Lahore, 86 Tote, mind. 120 Verletzte
  • 11. Juli 2010, Uganda, Sprengstoffanschlag in Kampala, 76 Tote, mind. 70 Verletzte
  • 29. März 2010, Sprengstoffanschläge auf Moskauer Metro, 40 Tote, mind. 100 Verletzte
  • 26. November 2008, Indien, Schusswaffen-Massaker in Mumbai, 174 Tote, 239 Verletzte
  • 6. März 2008, Israel, Schusswaffen-Massaker an jüdischer Schule, 7 Tote, 35 Verletzte
  • 20. September 2008, Pakistan, Sprengstoffanschlag auf Marriott-Hotel in Islamabad, 54 Tote, 266 Verletzte
  • 14. August 2007, Irak, Sprengstoffanschlag und Granatenbeschuss, 796 Tote, mind. 1500 Verletzte
  • 11. Juli 2006, Indien, Sprengstoffanschläge in Mumbai, 209 Tote, mind. 714 Verletzte
  • 17. April 2006, Israel, Sprengstoffanschlag, 10 Tote, 65 Verletzte
  • 14. Februar 2005, Libanon, Sprengstoffanschläge, 38 Tote, mind. 360 Verletzte
  • Oktober 2005, Indonesien, Sprengstoffanschlag auf Urlaubsinsel Bali, 23 Tote
  • 7. Juli 2005, Vereinigtes Königreich, Sprengstoffanschläge in London, 56 Tote, 700 Verletzte
  • 11. März 2004, Spanien, Sprengstoffanschläge auf Metro in Madrid, 191 Tote, 2051 Verletzte
  • 9. September 2004, Indonesien, Sprengstoffanschlag auf australische Botschaft in Jakarta, 9 Tote, 150 Verletze
  • September 2004, Russland, Geiselnahme in Schule in Beslan, 331 Tote, 704 Verletzte
  • 21. Juni 2004, Russland, Rebellenangriff auf Inguschetien, 90 Tote
  • August 2003, Indonesien, Sprengstoffanschlag auf Marriott Hotel in Jakarta, 12 Tote, 149 Verletzte
  • 16. Mai 2003, Marokko, Sprengstoffanschläge in Casablanca, mind. 40 Tote, mind. 100 Verletzte
  • 15. November 2003, Türkei, Sprengstoffanschläge in Istanbul, 57 Tote, 640 Verletzte
  • 23. Oktober 2002, Russland, Geiselnahme im Dubrowka-Theater in Moskau, 129 Tote
  • 12. Oktober 2002, Indonesien, Sprengstoffanschlag auf Urlaubsinsel Bali, 202 Tote, mind. 209 Verletzte
  • 11. April 2002, Tunesien, Sprengstoffanschlag auf Synagoge, 19 Tote, 30 Verletzte
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Die Schächtung Europas hat begonnen

Von Jörg Mayer

Ein islamischer Terrorist rast mit einem LKW in eine Menge feiernder Menschen, ein Messerstecher schlägt mit einer Axt nach Zugreisenden, ein psychotischer Irrer erschießt reihum Besucher in einem Einkaufszentrum, ein Machetenmörder hackt auf eine Schwangere ein, ein Selbstmordattentäter sprengt sich inmitten anderer Menschen in die Luft, ein IS-Anhänger schlitzt einem knienden alten Priester die Kehle durch. Mord geht um in Europa.

Über die lang bagatellisierte Kölner Silvesternacht ist mittlerweile durchgesickert, dass Frauen nicht nur zu Hunderten sexuell belästigt, sondern mehrere von ihnen auch vergewaltigt wurden. Auch ist ans Tageslicht gekommen, welcher Horror sich im 1. Stock des Bataclan in Paris abgespielt hat: Die Gefangenen wurden von den Islamisten ausgeweidet, Männern die Hoden abgeschnitten, Frauen die Vaginen aufgeschlitzt, man stach Augen aus und köpfte. Dass Dutzende Menschen erst ein paar Monate davor am Brüsseler Flughafen von Sprengsätzen in Stücke gerissen wurden, scheint unter dem Eindruck immer neuer Enthüllungen schon fast wieder vergessen. Die Anschläge folgen zu schnell aufeinander.

Europa hat den Terror zu sich eingeladen und der Terror hat die Einladung angenommen. Es ist müßig, die Schuldigen dafür zu suchen. Man müsste sie nur konsequent benennen und zur Rechenschaft ziehen. Allein vor einem irdischen Gericht werden sich weder die radikalen Willkommensklatscher aus Medien, Politik und Gesellschaft, die am Aufstoßen der Höllentore federführend beteiligt waren, noch die über jeden Terroranschlag heimlich feixende radikale Minderheit unter den Muslimen je verantworten müssen. Selbst Angela Merkel wird wie weiland Friedrich Zwo weiterhin mit den Worten zu Bette gehen: „Vor Gott und der Geschichte ist mein Gewissen rein. Ich habe den Krieg nicht gewollt.“

Doch es ist eine unleugbare Tatsache, dass der Islamismus unserem Kontinent und seinen Völkern den Krieg erklärt hat. Dieser Krieg verschwindet nicht einfach, indem man ihn zu ignorieren beschließt. Der Terrorismus hat nicht das Ziel, einfach nur Angst zu verbreiten – weshalb wir nun unbedingt Gelassenheit zur Schau stellen sollten, wie linke Meinungsmacher landauf landab empfehlen. Der Terrorismus hat ein viel konkreteres, ein klar definiertes Ziel: unseren Tod. Nun mag es philosophisch sicher sehr tunlich sein, gelassen zu sterben. Wer aber höhere Ansprüche an das Leben stellt, sollte seine Gelassenheit in naher Zukunft gegen ein Stück Wehrhaftigkeit eintauschen.

Die Realität des Bösen

Machen wir uns nichts vor, die islamischen Terroristen hassen die freie Welt nicht, weil sie an ihrem Lebensstil nicht teilhaben können. Sie hassen sie gerade wegen ihrer angeblichen Dekadenz, ihrer wissenschaftlichen Überlegenheit, ihres wirtschaftlichen Reichtums und ihres gesellschaftlichen Fortschritts. Islamisten töten nicht aus Weltschmerz, nicht aus gekränktem Herzen und verlorener Menschenliebe. Es gibt auch abseits sich selbst bemitleidender radikaler Muslime noch Menschen auf der Welt – Menschen, die schwere Schicksalsschläge erleiden, die Kinder verlieren, die unter schlimmen Krankheiten zugrunden gehen müssen. Dies macht einen demütig und traurig, nicht mordlüstern und grausam.

Für die herrschende politische Linke freilich ist jede schlechte Tat stets nur eine Folge von äußeren Zwängen, von sozialen Verhältnissen, von unglücklichen Umständen. Die größten Täter sind für sie zugleich die größten Opfer: Opfer der Gesellschaft. Nie sei der einzelne moralisch voll verantwortlich, nie gänzlich zurechnungsfähig, nie endgültig zu verurteilen, so ihr pervertiertes Menschenbild. Umso entschlossener gilt es entgegenzuhalten: Der einzelne ist immer verantwortlich und einem Mitmenschen Grausamkeiten zuzufügen ist immer und schlechthin falsch. Es ist so falsch, dass jedes Kind das begreifen kann – egal wie viele Schlecker es bekommen hat oder wie viele ihm verwehrt wurden.

Es ist sogar mehr als falsch: Es ist böse. Und wer andere Menschen abschlachtet, ist ein Unmensch und ein Schwein, immer. Es darf für derartig deprivierte Mörder keinerlei Toleranz und keinerlei Verständnis geben. Denn Terroristen, Attentäter, Massenmörder, das sind nicht traumatisierte, arme Menschen, um die wir uns nur zu wenig gekümmert haben, sondern Kreaturen, die persönlichen Anteil haben am realen Prinzip des Bösen in der Welt. Es gibt das Böse. Seine Existenz einfach zu verleugnen, wie es dem dominierenden linken Zeitgeist entspricht, ist nur ein Mittel der Selbstberuhigung und des Selbstbetrugs, es ist weder Welterkenntnis noch Verständigkeit. Das Böse ist in der Welt – und man muss es immer auf neue bekämpfen. Man muss es ausrotten, ein ums andere Mal, um ihm Einhalt zu gebieten.

Wird es getan werden? Jedenfalls nicht so bald. Man wird noch eine Weile Toleranz und Verständnis von linker Seite verlautbaren, man wird weiter Betroffenheit zeigen und Beschwichtigungen verkünden, und nichts wird sich derweil ändern. Aus unerfindlichen Gründen werden auch jene Parteien, die seit Jahren mit ihrer Romantik der weit geöffneten Grenzen unsere Gesellschaft unterwandert und unsere Nationen ausgedünnt haben, weiterhin gewählt werden. Die religiösen und ethnischen Minderheiten, die sie in unsere Länder geholt haben, werden noch weiter aufbegehren und einen wachsenden Anteil an der Macht einfordern.

Der Verfall der Zivilisation

Historiker beschäftigen sich seit je mit der Frage, wie das Römische Reich untergehen konnte. Aber es gibt wohl keinen spezifischen Grund oder eine Vielzahl spezifischer Gründe. Rom ging aus demselben Grunde unter, warum es einst selbst Karthago das Ende bereitet hatte: Weil der Fuchs die Gans frisst, so ist der Lauf der Dinge. Rom war einstmals ein Staat von Wehrbauern gewesen, Karthago eine den Waffen entwöhnte Kaufstadt, Rom allem Parteienkampf zum Trotz als Nation einig, Karthago dagegen gespalten in eine Partei von demokratisch gesinnten Patrioten um Hamilkar und seine Söhne sowie eine Partei von oligarchisch gesinnten Appeasement-Politikern, die sich auch in Houellebecqs Dystopie Soumission noch wohlgefühlt hätten. Die Gans war fett und der Fuchs biss zu.

Was sind wir in diesem Gleichnis? Wir haben es selbst in der Hand, auf welcher Seite der Geschichte wir stehen wollen. Freilich, Karthago wurde einst zermalmt, weil es sich wehrte, und man mag den Untergang dieser einst stolzen Seemacht mit gewisser Berechtigung seinen Patrioten, Populisten und „Hetzern“ zurechnen. Aber untergegangen wäre es neben dem aufstrebenden Rom früher oder später, es hat zumindest um sein Leben gekämpft. So wie Armin später um Germaniens Freiheit gekämpft hat (erfolgreich) und Vercingetorix um die Freiheit Galliens (vergebens). Ja, nicht jeder Widerstand endet glücklich, aber es macht dennoch einen Unterschied, ob die Werte der Aufklärung aufrecht stehend gegen die religiöse Barbarei untergegangen sein werden, oder ob sich Europa widerstandslos im 1. Stock eines Konzertsaals ausweiden, kastrieren und schächten lässt.

Wenn sich Europa nicht bald aufrafft, seinen schmählichen Parteienkampf, der im Wesentlichen aus nichts anderem als der Unterdrückung der patriotischen Parteien besteht, endlich einzustellen und stattdessen eine Kultur der Gegenwehr aufzurichten, dann steht eins jedenfalls fest: Dann gibt es keine Hoffnung für diesen unterwürfigen Kontinent. Dann werden unsere Städte einmal brennen.

P.S.: Die Entwicklung der Waffentechnik, die immer rasanter voranschreitet, wird es in absehbarer Zeit auch kleineren Kombattanten-Gruppen ermöglichen, atomare, biologische und chemische Waffen für ihre Zwecke einzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt sollten wir spätestens gewonnen haben. Dieser Absatz ist allen Realisten gewidmet.