Buchrezensionen

Christoph Luxenberg: Die syro-aramäische Lesart des Koran

Von Laila Mirzo

Sex sells! Nicht nur Autos lassen sich besser verkaufen, wenn sich schöne Frauen auf ihnen rekeln. Dieses Marketingprinzip ist uralt. Und es zeugt von einer ausgeklügelten Raffinesse, Gotteskriegern den Märtyrertod mit der Erfüllung ihrer sexuellen Fantasien schmackhaft zu machen. Gerade in einer Kultur, in der Mann und Frau schon von Kindesbeinen an streng getrennt sind und jeder außereheliche Kontakt zwischen den Geschlechtern verboten ist, ist die Aussicht auf eine unbeschränkte sexuelle Freizügigkeit im Jenseits sehr verlockend.

Der Märtyrertod spielt im Islam eine bedeutende Rolle: Ein Moslem, der im Kampf für den Islam stirbt, erhält einen Freifahrtschein ins Paradies. Während alle anderen Menschen nach ihrem Tod geduldig in ihren Gräbern warten müssen, bis der Erzengel Israfil mit seiner Posaune den Jüngsten Tag einläutet und den Seelen den Befehl gibt, wieder in die Körper zurück zu gehen, steigt die Seele des Dschihadisten sofort ins Paradies auf, wo sie von 72 Jungfrauen erwartet wird. Die paradiesischen Schönheiten beflügelten schon die Phantasie der frühen islamischen Gelehrten, die ein sehr konkretes Bild von diesen „großäugigen Huris“ zeichneten:

„Ihr Angesicht wird so glänzend wie der Mond in der Vollmondnacht. Ihr Körper wird weich und geschmeidig wie eine knospende Dattel, und ihr Leib duftet wie Moschus. (…) Sie haben außer den Augenbrauen, dem Haupthaar und den Augenwimpern kein Haar, weder unter den Achseln noch an den Schamteilen.“

Die Jungfer duftet also nach Moschus. Für den Dschihadisten kann dies wohl kaum gelten, wird er vor seiner Bestattung ja nicht gewaschen. Denn Allah soll den Märtyrer als solchen auch erkennen! So wird der Tote auch nicht in weißen Tüchern gehüllt. Er tritt in seinem blutgetränkten Gewand vor Allah, als Beweis für sein irdisches Opfer.

Im Paradies wird der Dschihadist von den „Jungfrauen mit schwellenden Brüsten“ und „vollen Bechern“ für all seine Strapazen entschädigt. Diese Erfüllung männlicher Sehnsüchte ist ein erheblicher Kriegsmotor im Islam. Denn schon im Diesseits erhalten die Kämpfer die Frauen und Mädchen der Besiegten als Lohn für ihren Dschihad. Das Schicksal Tausender jesidischer Frauen, die vom IS als Sex-Sklavinnen missbraucht worden sind, ist dieser Belohnungsmentalität geschuldet. Auch die sexuellen Übergriffe muslimischer Migranten in der berüchtigten Kölner Silvesternacht spiegelten den absoluten Anspruch auf die Frauen der Ungläubigen wider.

Und was ist mit den Frauen?

Nachdem auch weibliche Märtyrerin im Kampf gegen die Ungläubigen ihr Leben lassen, stellt sich die Frage, welche Belohnung auf die Frauen im Jenseits wartet. Die Antwort ist kurz und enttäuschend zugleich. Denn die Frauen müssen sich mit genau einem Mann zufriedengeben. Waren sie zu Lebzeiten verheiratet, wird ihnen genau dieser Ehemann wieder zur Seite gestellt und sie müssen dem Versprechen „Sie werden mit ihm zufrieden sein!“ Glauben schenken.

Für die Männer indes lässt die Paradiesvorstellung im Islam keine Wünsche offen. Während Homosexualität und Alkohol zu Lebzeiten streng verboten sind, verspricht das Jenseits sündenfreie Unterhaltung mit Knaben und Alkohol in den „Gärten der Wonne“:

„Die Runde machen bei ihnen unsterbliche Knaben. Mit Humpen und Eimern und einem Becher von einem Born. Nicht sollen sie Kopfweh von ihm haben und nicht das Bewusstsein verlieren.“

Für die himmlischen Sex-Orgien werben islamische Gelehrte mit „anregenden Vaginas“ und der Manneskraft von 100 Männern. Die Märtyrer stehen nämlich mächtig unter Erfolgsdruck, denn die Zahl der Sex-Dienerinnen ist laut islamischer Tradition enorm:

„72 Huris sind euch ins Zelt gelegt. Jede dieser Frauen hat 70 Ruhebetten aus je einem roten Hyazinth, auf denen je 70 Ruhekissen liegen. Auf jedem Ruhekissen sind 70 Frauen. Jede Frau hat 1000 Dienerinnen, von denen jeden eine goldene Schale trägt. Mit jeder dieser Frauen pflegt ihr Gatte so oft Umgang, wie er im Monat Ramadan Fastentage eingehalten hat.“

Nach Adam Riese macht das 24.696.000.000 Frauen, die ein guter Moslem beglücken kann. Natürlich erneuert sich die Jungfernschaft nach jedem Beischlaf, zudem haben die Huris keine Menstruationsblutung, müssen nie auf die Toilette und sind nie schlecht gelaunt. Angesichts dieser „theologischen“ Inhalte verwundert es nicht, wenn Thomas von Aquin in seiner Summa contra gentiles die Muslime einst als „geistig schwache, nach sexuellen Lüsten gierende Männer“ beschrieben hat.

Wenn Männern die Phantasie durchgeht

Was wäre aber, wenn das Versprechen von den großäugigen Jungfrauen ein Missverständnis ist und im Paradies lediglich reife Früchte auf die Männer warten? Genau dieser Frage widmet sich das umstrittene Buch Die syro-aramäische Lesart des Koran von Christoph Luxenberg. Luxenbergs kühne sprachwissenschaftliche Annäherung an die dunklen Stellen im Koran sorgte in den Reihen der islamischen Hardliner für große Empörung. Er tat gut daran, unter einem Pseudonym zu schreiben, denn er hatte sich am Heiligsten im Islam „vergriffen“.

Luxenberg geht davon aus, dass Arabisch zu Zeiten Mohammeds noch keine Schriftsprache war. Die lingua franca im Vorderen Orient war zu dieser Zeit das Aramäische. So wurden unter den arabischen Stämmen verschiedene arabische Dialekte gesprochen, Hocharabisch und Schriftarabisch sollten sich erst noch entwickeln.

Die Araber besaßen lediglich eine sehr defektive Schrift, eine Art Stenographie mit insgesamt 18 Schriftzeichen. Manche Buchstaben umfassten sogar fünf verschiedene Laute. Auch fehlten noch die für das später entwickelte Hocharabische typischen diakritischen Zeichen, welche mit Punkten, Häkchen und Strichen die Aussprache einzelner Buchstaben festlegen oder der Vokalisierung dienen. Bei einem Alphabet mit nur 18 Buchstaben sind diese Zeichen essentiell.

Die ersten Niederschriften der Koranverse sind in der geläufigen Weltsprache Aramäisch oder in dieser rudimentären arabischen Ur-Schrift verfasst worden. Durch die arabische Expansion gewann das Arabische an Einfluss und das Aramäische wurde immer stärker zurückgedrängt. Als die späteren Schreiber die gesammelten Texte einsahen und zu einem Buch zusammenstellten, waren sie mit großen Schwierigkeiten konfrontiert. Vieles ließ sich nicht mehr eindeutig zuordnen. Auch waren die Schreiber gar nicht oder nur wenig des Aramäischen mächtig.

So beinhaltet der Koran zahlreiche „dunkle Stellen“, die mangels profunder Sprachkenntnisse nicht eindeutig übersetzt werden konnten. Dabei handelt es sich um Worte oder Sätze, die im arabischen keinen Sinn ergeben und nur durch die Interpretation Tafsir der islamischen Gelehrten erklärt werden konnten. Luxenberg schätzt den Umfang der „dunklen Stellen“ auf etwa ein Viertel des Korantextes ein.

Das Aramäische und das Arabische sind beides semitische Sprachen. Viele Wörter haben die gleiche Bedeutung, andere aber haben zwar die gleiche Schreibweise, jedoch verschiedene Bedeutung. Luxenberg zählt im Koran etwa 400 syro-aramäische Begriffe. Damit rückt er diverse relevante Schlüsselstellen in ein anderes Licht. Auch das Wort „Huri“, das allgemein als Paradiesjungfrau bekannt ist, soll ursprünglich das Aramäische „Hur“ gewesen sein, das mit „weiße Weintrauben“ zu übersetzen sei.

Eine christlich-jüdische Sekte?

Mangelnde Sprachkenntnisse und überschäumende Phantasie der Schreiber und Gelehrten haben laut Luxenberg also aus harmlosen Früchten Jungfrauen und Jünglinge gemacht. Ob sich todessehnsüchtige islamische Selbstmordattentäter für Obst in die Luft sprengen würden, ist mehr als fraglich. Dem gewaltbereiten radikalen Islam würde jedenfalls schwerer Schaden zugefügt, sollte an Luxenbergs Spekulationen etwas dran sein.

So behauptet Luxenberg sogar, dass der Koran selbst aus dem Aramäischen Qeryana stammen würde. Das Qeryana war ein liturgisches Buch mit Gebeten und Erzählungen aus der Bibel. Der Koranforscher spekuliert, dass der mekkanische Koran ursprünglich ein christlich-liturgisches Buch war. Es sollte ursprünglich nicht die Thora und das Evangelium ersetzen, sondern den Arabern die Schriften in ihrer Sprache näherbringen.

Auf der einen Seite sind viele intellektuelle Muslime von Luxenbergs Arbeit begeistert und fordern eine aufgeklärte Debatte über die möglichen Ursprünge des Koran. Auf der anderen Seite erkennen konservative Gläubige darin einen Frontalangriff auf die Grundfesten des Islam. Luxenbergs Theorie, dass der Koran jedenfalls christliche Wurzeln habe, wird auch vom deutsch-libanesischen Islamwissenschaftler Ralph Ghadban unterstützt:

„Was hier totgeschwiegen wird, ist, dass der Islam im Grunde genommen eine jüdisch-christliche Sekte ist, deren Anliegen eine Übersetzung der Bibel ins Arabische ist, um den Monotheismus unter den Arabern zu verbreiten. Damit wird die ganze islamische Religion in Frage gestellt.“

Analysen

Das wahre Maß des Terrors

Von Jörg Mayer

Der islamistische Terror gehört zur Gegenwart, doch für den Einzelnen scheint es unmöglich, aus den wenig repräsentativen Einblicken, die ihm Zeitungen und Fernsehen gewähren, ein angemessenes Bild der Realität abzuleiten. Während die einen im Terrorismus das Substrat eines ausbrechenden Kulturkampfs erkennen, ist er für die anderen ein durch mediale Aufmerksamkeit befördertes Phänomen. Im Folgenden sind die größeren islamistisch motivierten Terrorangriffe mit Toten seit dem 11. September 2001 bis zum Beginn dieses Jahres aufgeführt, um einen Überblick über die Taten zu ermöglichen, die vom Islamischen Staat, Al-Shabab, Al-Kaida, Taliban, Boko Haram und ihren Nachahmern in den letzten Jahren begangen wurden. Nur der Blick auf die Fakten kann den Einzelnen in die Lage versetzen, für sich zu beurteilen, ob die Angst vor dem Terrorismus übertrieben oder untertrieben wird – und in welchem tatsächlichen Maß sie gerechtfertigt ist und daher unser politisches Handeln leiten sollte.

Islamistische Terroranschläge mit Toten von 2001-2016:

  • Nacht auf den 1. Januar 2017, Türkei, Schusswaffen-Massaker in Nachtclub in Istanbul, 39 Tote, 40 Verletzte
  • 19. Dezember 2016, Deutschland, LKW-Amokfahrt am Berliner Weihnachtsmarkt, 12 Tote, 56 Verletzte
  • 19. Dezember 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag auf Markt in Kundus, 1 Toter, 22 Verletzte
  • 19. Dezember 2016, Türkei, Mord am Russischen Botschafter, 1 Toter
  • 17. Dezember 2016, Jemen, Sprengstoffanschlag auf Soldaten in Aden, 49 Tote, Dutzende Verletzte
  • 11. Dezember 2016, Ägypten, Sprengstoffanschlag auf Kirche St. Peter und Paul in Kairo, 22 Tote, 35 Verletzte
  • 26. November 2016, Somalia, Autobombe auf Markt in Mogadischu, 11 Tote, 16 Verletzte
  • 25. November 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag in Jalalabad, 6 Tote, 27 Verletzte
  • 24. November 2016, Irak, Autobombe auf iranische Pilger in Hillah, rund 100 Tote, 50 Verletzte
  • 22. November 2016, Pakistan, Anschlagsserie in Peshawar und Chaman, 4 Tote, 8 Verletzte
  • 21. November 2016, Afghanistan, Anschlagsserie auf schiitische Feier in Kabul, 27 Tote, 35 Verletzte
  • 21. November 2016, Libyen, Autobombe in Benghazi, 3 Tote, 20 Verletzte
  • 18. November 2016, Irak, Autobombe auf Hochzeit in Amiriyat Al-Fallujah, 40 Tote, 60 Verletzte
  • 16. November 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag auf afghanische Spezialeinheiten in Kabul, 4 Tote, 11 Verletzte
  • 14. November 2016, Irak, Anschlagsserie in Karbala, 6 Tote
  • 12. November 2016, Indonesien, Sprengstoffanschlag auf Kirche in Samarinda, 1 Toter, 3 Verletzte
  • 12. November 2016, Pakistan Sprengstoffanschlag auf Shah-Noorani-Schrein, 55 Tote, über 100 Verletzte
  • 12. November 2016, Afghanistan, Sprenstoffanschlag auf US-Luftwaffenstützpunkt in Provinz Parwan, 4 Tote, 18 Verletzte
  • 10. November 2016, Afghanistan, Autobombe und Schusswaffen-Massaker im Deutschen Generalkonsulat in Mazar-e-Sharif, 8 Tote, 120 Verletzte
  • 6. November 2016, Irak, Autobomben in Tikrit und Samarra, 29 Tote, 35 Verletzte
  • 5. November 2016, Irak, Sprengstoffanschlag auf Flüchtlingskonvoi in Hawidscha, 26 Tote
  • 4. November 2016, Afghanistan, Granatbeschuss auf Hochzeit in Provinz Faryab, 12 Tote, 30 Verletzte
  • 4. November 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag auf Polizeigebäude in Diyarbakir, 9 Tote, 30 Verletzte
  • November 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag in der Provinz Parwan, 7 Tote
  • November 2016, Nigeria, Autobombe auf militärischen Außenposten in Gubio, 9 Tote
  • 29. Oktober 2016, Nigeria, Sprengstoffanschlag auf Flüchtlingslager in Maiduguri, 9 Tote, 20 Verletzte
  • 25. Oktober 2016, Kenia, Sprengstoffanschlag und Schusswaffen-Massaker in Hotel in Mandera, 12 Tote
  • 25. Oktober 2016, Pakistan, Sprengstoffanschlag und Schusswaffen-Massaker im Schlafsaal von Polizeischule in Quetta, 60 Tote, 120 Verletzte
  • 16. Oktober 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag auf Razzia in Gaziantep, 3 Tote, 8 Verletzte
  • 15. Oktober 2016, Irak, Sprengstoffanschlag auf Trauerfeier in Bagdad, 34 Tote, 35 Verletzte
  • 9. Oktober 2016, Israel, Schusswaffen-Massaker in Mourabitoun, 2 Tote 6 Verletzte
  • 6. Oktober 2016, Syrien, Sprengstoffanschlag in Atmah, 29 Tote, 20 Verletzte
  • 5. Oktober 2016, Nigeria, Sprengstoffanschlag in Moschee in Maiduguri, 22 Tote, 42 Verletzte
  • 22. September 2016, Syrien, Autobombe gegen Minister in Provinz Daraa, 12 Tote, Dutzende Verletzte
  • 6. September 2016, Irak, Autobombe in Geschäftsviertel, 19 Tote, 30 Verletzte
  • 5. September 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag auf Gericht in Kabul, 24 tote, 90 Verletzte
  • 5. September 2016, Syrien, Anschlagsserie auf kurdischen Kontrollposten und Brücke, 48 Tote, Dutzende Verletzte
  • 2. September 2016, Pakistan, Schusswaffen- und Granatenbeschuss einer christlichen Siedlung, 18 Tote, 30 Verletzte
  • 30. August 2016, Somalia, Sprengstoffanschlag auf Hotel in Mogadischu, 26 Tote, 50 Verletzte
  • 29. August 2016, Jemen, Autobombe gegen Armeerekruten in Aden, 45 Tote, 30 Verletzte
  • 26. August 2016, Somalia, Schusswaffen-Massaker in Strandlokal in Mogadischu, 10 Tote, 15 Verletzte
  • 24. August 2016, Afghanistan, Schusswaffen-Massaker an US-Universität, 17 Tote, 37 Verletzte
  • 20. August 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag auf Kurdische Hochzeit in Gaziantep, 54 Tote, 66 Verletzte
  • 14. August 2016, Syrien, Sprengstoffanschlag in Atmeh, 32 Tote, mind. 50 Verletzte
  • 8. August 2016, Pakistan, Sprengstoffanschlag auf Klinik in Quetta, 71 Tote, mind. 200 Verletzte
  • 2. August 2016, Sprengstoffanschlag auf Soldaten in Bengasi, 22 Tote, mind. 20 Verletzte
  • 27. Juli 2016, Syrien, Sprengstoffanschlag auf Sicherheitsbeamte in Kamischli, 55 Tote, mind. 180 Verletzte
  • 26. Juli 2016, Messerangriff auf Priester in Saint-Étienne-du-Rouvray, 1 Toter, 1 Verletzter
  • 26. Juli 2016, Somalia, Sprengstoffanschlag am Flughafen Mogadischu, mind. 14 Tote
  • 25. Juli 2016, Irak, Sprengstoffanschlag auf Kontrollpunkt in Bagdad, mind. 18 Tote, mind. 30 Verletzte
  • 23. Juli 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag auf Demonstrationsteilnehmer der Hazara-Minderheit, mind. 80 Tote, mind. 231 Verletzte
  • 14. Juli 2016, Frankreich, LKW-Amokfahrt und Schusswaffen-Massaker auf Strandpromenade in Nizza, mind. 84 Tote, mind. 303 Verletzte
  • 12. Juli 2016, Irak, Sprengstoffanschlag auf Marktbesucher in Bagdad, 13 Tote 20 Verletzt
  • 8. Juli 2016, Irak, Schusswaffen-Massaker an Pilgerstätte, mind. 30 Tote, mind. 70 Verletzte
  • 3. Juli 2016, Irak, Sprengstoffanschlag in Bagdad, mind. 292 Tote, mind. 300 Verletzte
  • Juli 2016, Bangladesch, Geiselnahme von Restaurantbesuchern in Dhaka, 22 Tote
  • 30. Juni 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag auf Polizeikonvoi in Kabul, mind. 30 Tote, mind. 40 Verletzte
  • 28. Juni 2016, Türkei, Schusswaffen-Massaker und Sprengstoffanschläge am Flughafen Istanbul-Atatürk, 45 Tote, 239 Verletzte
  • 25. Juni 2016, Somalia, Sprengstoffanschlag auf Hotel in Mogadischu, 14 Tote
  • 21. Juni 2016, Jordanien, Sprengstoffanschlag auf Militär, 6 Tote, 14 Verletzte
  • 20. Juni 2016, Afghanistan, Anschlagsserie auf Wachpersonal, 24 Tote, 43 Verletzte
  • 13. Juni 2016, Frankreich, Messerangriff auf Polizisten in Magnanville, 2 Tote
  • 12. Juni 2016, USA, Schusswaffen-Massaker in Homosexuellen-Nachtclub in Orlando, 49 Tote, 53 Verletzte
  • 11. Juni 2016, Syrien, Sprengstoffanschlag am Schrein Zainab bint Alis, mind. 20 Tote
  • 9. Juni 2016, Irak, Sprengstoffanschlag in Bagdad, 15 Tote, mind. 50 Verletzte
  • 8. Juni 2016, Israel, Schusswaffen-Massaker in Tel Aviv, 4 Tote, 19 Verletzte
  • 5. Juni 2016, Kasachstan, Schusswaffen-Massaker in Aqtöbe, 7 Tote, mind. 40 Verletzte
  • Juni 2016, Somalia, Sprengstoffanschlag auf das Somali Youth League Hotel, mind. 20 Tote
  • 30. Mai 2016, Irak, Anschlagsserie, mind. 20 Tote, mind. 50 Verletze
  • 25. Mai 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag in Kabul, 10 Tote, 4 Verletzte
  • 23. Mai 2016, Syrien, Anschlagsserie, mind. 150 Tote, mind. 200 Verletzte
  • 17. Mai 2016, Irak, Anschlagsserie, mind. 70 Tote, mind. 150 Verletzte
  • 15. Mai 2016, Jemen, Anschlagsserie auf Polizisten, 31 Tote, mind. 60 Verletzte
  • 15. Mai 2016, Irak, Sprengstoffanschlag auf Gasfabrik in Tadschi, 11 Tote, 14 Verletzte
  • 11. Mai 2016, Irak, Anschlagsserie, mind. 86 Tote, mind. 120 Verletzte
  • 30. April 2016, Irak, Sprengstoffanschlag in Bagdad, mind. 14 Tote, etwa 40 Verletzte
  • 19. April 2016, Afghanistan, Sprengstoffanschlag in Kabul, mind. 64 Tote, mind. 340 Verletzte
  • 4. April 2016, Irak, Anschlagsserie, mind. 20 Tote, mind. 70 Verletzte
  • 31. März 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag auf Polizeibeamte in Diyarbakir, 7 Tote, 23 Verletzte
  • 27. März 2016, Pakistan, Sprengstoffanschlag in Lahore Park, mind. 70 Tote, mind. 300 Verletzte
  • 25. März 2016, Irak, Sprengstoffanschlag nach Fußballspiel, mind. 40 Tote, mind. 105 Verletzte
  • 22. März 2016, Belgien, Sprengstoffanschläge auf Flughafen und Metrostation in Brüssel, 38 Tote, mind. 340 Verletzte
  • 19. März 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag in Istanbul, 5 Tote, 36 Verletzte
  • 13. März 2016, Elfenbeinküste, Schusswaffen-Massaker in Strandhotel in Grand-Bassam, mind. 18 Tote, mind. 33 Verletzte
  • 8./9. März 2016 Israel, Messerangriffe in Tel Aviv und Jerusalem, 2 Tote, 26 Verletzte
  • 4. März 2016, Jemen, Schusswaffen-Massaker in Altenheim in Aden, 16 Tote
  • 21. Januar 2016, Sprengstoffanschlag in Kairo, 6 Tote, mind. 20 Verletzte
  • 21. Januar 2016, Somalia, Sprengstoffanschlag und Schusswaffen-Massaker in Strandhotel in Mogadischu, 20 Tote, mind. 35 Verletzte
  • 20. Januar 2016, Pakistan, Schusswaffen-Massaker an Universität, 19 Tote, mind. 50 Verletzte
  • 16. Januar 2016, Burkina Faso, Geiselnahme in Hotel, 28 Tote, 56 Verletzte
  • 14./15. Januar 2016, Somalia, Schusswaffen-Massaker an Flughafen u.a., 51 Tote
  • 14. Januar 2016, Indonesien, Sprengstoffanschlag und Schusswaffen-Massaker in Einkaufszentrum in Jakarta, 7 Tote, mind. 10 Verletzte
  • 12. Januar 2016, Türkei, Sprengstoffanschlag auf dem Sultan-Ahmed-Platz, 12 Tote, 13 Verletzte
  • Januar 2016, Indien, Sprengstoffanschlag auf Pathankot Air Force Station, 7 Tote
  • Januar 2016, Israel, Morde in Café in Tel Aviv, 2 Tote, 7 Verletzte
  • Dezember 2015, USA, Schusswaffen-Massaker in San Bernardino, 14 Tote, 21 Verletzte
  • 20. November 2015, Mali, Geiselnahme im Radisson Blu Hotel in Bamako, 19 Tote, 9 Verletzte
  • 13. November 2015, Frankreich, Sprengstoffanschläge und Schusswaffen-Massaker in Paris, 130 Tote, 352 Verletzte
  • 13. November 2015, Irak, Sprengstoffanschlag in Bagdad, 18 Tote, 41 Verletzte
  • 12. November 2015, Libanon, Sprengstoffanschlag auf Moschee in Beirut, 43 Tote, 239 Verletzte
  • 31. Oktober 2015 Ägypten, Sprengstoffanschlag auf russischen Passagierjet, 224 Tote
  • 10. Oktober 2015, Türkei, Sprengstoffanschlag auf Demonstration in Ankara 2015, 102 Tote, mind. 500 Verletzte
  • 13. August 2015, Irak, Sprengstoffanschlag in Bagdad, 76 Tote
  • 20. Juli 2015, Türkei, Sprengstoffanschlag in Suruç, 34 Tote, mind. 76 Verletzte
  • 17. Juli 2015, Nigeria, Sprengstoffanschlag in Gombe, 49 Tote
  • 10. Juli 2015, Somalia, Sprengstoffanschlag in Mogadischu, 22 Tote, 20 Verletzte
  • 26. Juni 2015, Somalia, Sprengstoffanschlag in Leego, mind. 50 mind. Tote
  • 26. Juni 2015, Kuwait, Sprengstoffanschlag auf die Imam-Dschaʿfar-as-Sādiq-Moschee, 26 Tote, 227 Verletzte
  • 26. Juni 2015, Tunesien, Schusswaffen-Massaker und Sprengstoffanschlag in Port El-Kantaoui, 39 Tote, 39 Verletzte
  • 20. Juni 2015, Österreich, PKW-Amokfahrt in Graz, 3 Tote, 36 Verletzte
  • April 2015, Kenia, Schusswaffen-Massaker am Garissa University College, 148  Tote
  • 18. März 2015, Tunesien, Schusswaffen-Massaker in Tunis, 27 Tote, 50 Verletzte
  • 7. Januar 2015, Frankreich, Schusswaffen-Massaker in Redaktion von Charlie Hebdo, 12 Tote
  • 16. Dezember 2014, Pakistan, Schusswaffen-Massaker an Schule in Peschawar, 148  Tote
  • 18. November 2014, Israel, Schusswaffen-Massaker in Synagoge in Jerusalem, 5 Tote, 8 Verletzte
  • 24. Mai 2014, Belgien, Morde im Jüdischen Museum, 4 Tote
  • 29. Dezember 2013, Russland, Sprengstoffanschlag im Bahnhof Wolgograd, mind. 16 Tote
  • 21. September 2013, Kenia, Schusswaffen-Massaker im Westgate-Einkaufszentrum, 67 Tote, mind. 150 Verletzte
  • 15. April 2013, USA, Sprengstoffanschlag auf den Boston-Marathon, 3 Tote, mind. 100 Verletzte
  • 28. April 2011, Marokko, Sprengstoffanschlag in Marrakesch, 17 Tote
  • 11. April 2011, Weißrussland, Sprengstoffanschlag auf U-Bahn-Station in Minsk, 15 Tote
  • März 2011, Deutschland, Morde an US-Soldaten am Frankfurter Flughafen, 2 Tote, 2 Verletzte
  • 24. Januar 2011, Russland, Sprengstoffanschlag am Flughafen Moskau-Domodedowo, 36 Tote, 152 Verletzte
  • 31. Oktober 2010, Irak, Sprengstoffanschlag auf die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale in Bagdad, 68 Tote, mind. 60 Verletzte
  • 28. Mai 2010, Pakistan, Schusswaffen-Massaker und Sprengstoffanschlag in Lahore, 86 Tote, mind. 120 Verletzte
  • 11. Juli 2010, Uganda, Sprengstoffanschlag in Kampala, 76 Tote, mind. 70 Verletzte
  • 29. März 2010, Sprengstoffanschläge auf Moskauer Metro, 40 Tote, mind. 100 Verletzte
  • 26. November 2008, Indien, Schusswaffen-Massaker in Mumbai, 174 Tote, 239 Verletzte
  • 6. März 2008, Israel, Schusswaffen-Massaker an jüdischer Schule, 7 Tote, 35 Verletzte
  • 20. September 2008, Pakistan, Sprengstoffanschlag auf Marriott-Hotel in Islamabad, 54 Tote, 266 Verletzte
  • 14. August 2007, Irak, Sprengstoffanschlag und Granatenbeschuss, 796 Tote, mind. 1500 Verletzte
  • 11. Juli 2006, Indien, Sprengstoffanschläge in Mumbai, 209 Tote, mind. 714 Verletzte
  • 17. April 2006, Israel, Sprengstoffanschlag, 10 Tote, 65 Verletzte
  • 14. Februar 2005, Libanon, Sprengstoffanschläge, 38 Tote, mind. 360 Verletzte
  • Oktober 2005, Indonesien, Sprengstoffanschlag auf Urlaubsinsel Bali, 23 Tote
  • 7. Juli 2005, Vereinigtes Königreich, Sprengstoffanschläge in London, 56 Tote, 700 Verletzte
  • 11. März 2004, Spanien, Sprengstoffanschläge auf Metro in Madrid, 191 Tote, 2051 Verletzte
  • 9. September 2004, Indonesien, Sprengstoffanschlag auf australische Botschaft in Jakarta, 9 Tote, 150 Verletze
  • September 2004, Russland, Geiselnahme in Schule in Beslan, 331 Tote, 704 Verletzte
  • 21. Juni 2004, Russland, Rebellenangriff auf Inguschetien, 90 Tote
  • August 2003, Indonesien, Sprengstoffanschlag auf Marriott Hotel in Jakarta, 12 Tote, 149 Verletzte
  • 16. Mai 2003, Marokko, Sprengstoffanschläge in Casablanca, mind. 40 Tote, mind. 100 Verletzte
  • 15. November 2003, Türkei, Sprengstoffanschläge in Istanbul, 57 Tote, 640 Verletzte
  • 23. Oktober 2002, Russland, Geiselnahme im Dubrowka-Theater in Moskau, 129 Tote
  • 12. Oktober 2002, Indonesien, Sprengstoffanschlag auf Urlaubsinsel Bali, 202 Tote, mind. 209 Verletzte
  • 11. April 2002, Tunesien, Sprengstoffanschlag auf Synagoge, 19 Tote, 30 Verletzte
Analysen

Das Informationskartell

Von Christine Schadenhofer

Mehr denn je ist heute von Mainstream-Medien die Rede, von Gleichschaltung, gelenkten Medien und Manipulation. In einer Studie von Swiss Propaganda wird schlüssig dargelegt, warum dieser Eindruck kritischer Medienkonsumenten zumindest im Hinblick auf Geopolitik nicht trügt.

Um zu verstehen, warum sich Headlines, Berichte und Bilder in den Medien weltweit gleichen, muss man wissen, dass sie zum überwiegenden Teil aus denselben Quellen gespeist werden. Die Informationsmacht liegt in den Händen von großen Nachrichtenagenturen. Laut Swiss Propaganda gibt es nur drei weltweit agierende Unternehmen: die amerikanische Associated Press, deren Informationen von rund 12.000 Medien weltweit genutzt werden, die quasi-staatliche französische Agence France Presse und die britische Agentur Reuters, die 2008 zu Thomson-Reuters mit Sitz in New York fusioniert wurde. Als semi-global kann noch die Deutsche Presse Agentur gerechnet werden. Diese Agenturen entscheiden maßgeblich über die Inhalte, die berichtet werden, sie bestimmen die Tonart.

An diesen obersten Quellen der Information hängt eine Vielzahl von kleineren Presseagenturen, die jedoch in ihrer geopolitischen Berichterstattung in weiten Bereichen auf die Meldungen der drei großen angewiesen sind. Allein schon aus ökonomischen Gründen muss in der Recherche vor Ort kooperiert werden. Auf der nächsten Ebene der Informationskette – bei den Medien – ist man im Hinblick auf das Weltgeschehen erst recht auf Agenturmeldungen angewiesen oder man beruft sich auf große britische und amerikanische Medien und damit auch auf deren Blick auf die Welt.

Ein solches System ist natürlich eine Instanz, die die gesamte Information über das weltpolitische Geschehen beherrscht. Zudem ist es anfällig für gezielte Manipulation von außen: Wenn es jemandem gelingt, eine Falschmeldung in einer der drei Agenturen zu platzieren, ist die Chance hoch, dass diese Meldung rund um die Welt geht. Was aber in der Praxis schwerer wiegen wird, sind die Möglichkeiten, die dieses System bietet, alleine durch Auswahl und Tonart von „News“ Meinung und damit Politik zu machen. Soweit die Theorie von Swiss Propaganda, aber lassen sich diese vermuteten Zusammenhänge auch empirisch nachvollziehen?

Dazu hat das Forscherteam von 1. bis 15. Oktober 2015 die Berichterstattung von je drei führenden Tageszeitungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz zum Syrienkonflikt – Print wie Online – unter die Lupe genommen. Insgesamt wurden 381 Artikel aus Welt, SZ, FAZ, NZZ, TA, BaZ, Standard, Kurier und Presse analysiert.

Die Dominanz von Agenturmeldungen (am Quellen-Kürzel erkennbar) hat sich klar bestätigt: 55% der Artikel waren reine Agenturmeldungen, weitere 23% waren Berichte auf Basis von Agenturmeldungen. Insgesamt können also 78% der Syrien-Berichte dieses Zeitraums auf Agenturen – und damit letztlich auf wenige große Agenturen – zurückgeführt werden. Ganze 0% der Syrien-Berichterstattung stammten laut den Studienautoren übrigens aus investigativen Recherchen durch die untersuchten Medien. Eine weitere Analyse der Meinungen, Gastkommentare und Interviews in den untersuchten Medien zeigte, dass diese Beiträge zu 82% USA/NATO-freundlich ausfielen, während 16% als neutral und nur 2% als USA/NATO-kritisch bewertet wurden.

Nachrichtenmedien sind „Agenten derer, die die politische und wirtschaftliche Macht ausüben“, wird der ehemalige AP-Journalist Herbert Altschull in der Studie zitiert. Angesichts der Ergebnisse und einem eigenen kritischen Blick auf die Berichterstattung der Medien muss befürchtet werden, dass diese Aussage tatsächlich zutrifft.

Dennoch: Es gibt Grund zur Hoffnung. Internet und Social Media sind dabei, das herrschende Informationskartell aufzubrechen. „Die kommenden Jahre werden es zeigen: Wird die politische und wirtschaftliche Macht gemäß Altschulls Gesetz die Kontrolle über die Nachrichten behalten – oder werden unkontrollierte Nachrichten das politische und ökonomische Machtgefüge verändern?“, schließen die Studienautoren.

Christine Schadenhofer ist Kommunikationsberaterin in Linz.